Großaufträge aus Moskau Schweigen ist Gold

Ob es um die Ukraine, den Tschetschenien-Krieg oder den Fall Jukos ging - Kanzler Schröder vermied es während der deutsch-russischen Konsultationen, seinem Gast Wladimir Putin öffentlich unangenehme Fragen zu stellen. Zumindest wirtschaftlich gesehen hat sich das gelohnt.

Schleswig - Wie bereits bei seinem Treffen mit der chinesischen Führung konzentrierte sich der deutsche Kanzler auf Wirtschaftsthemen. Zum Abschluss der deutsch-russischen Konsultationen wurden mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet, unter anderem für einen Export von Hochgeschwindigkeitszügen nach Russland sowie eine stärkere Kooperation im Schienenverkehr.

Schröder sprach von einer "strategischen Partnerschaft" zwischen Deutschland und Russland, die künftig zugleich in einen europäischen Rahmen gebettet werden sollte. Putin hob die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen hervor. Deutschland sei Russlands größter Außenhandelspartner. Derzeit befinde sich die russische Wirtschaft im Aufschwung, sagte der Präsident. Das versetze sein Land in die Lage, geliehene Gelder an Deutschland zurückzuzahlen.

Siemens baut Russen-ICEs

Vor allem im Bahnverkehr rücken Deutschland und Russland näher zusammen. Bei den Regierungsgesprächen wurde am Dienstag eine umfangreiche Zusammenarbeit im Reise- und Güterverkehr vereinbart. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsamer Touristikzug, der vom kommenden Sommer an von Berlin über Kaliningrad und die baltischen Hauptstädte nach St. Petersburg fahren soll. Für rund 1500 Euro können Touristen dann eine Woche quer durch das Baltikum reisen und im Zug wie in einem Hotel auf Rädern wohnen.

Bei Tempo 140 im ICE von Hamburg nach Schleswig unterzeichneten Russlands Bahnchef Gennadi Fadejew und der Geschäftsführer der DB AutoZug, Winfried Czilwa, für den Touristikzug die Gründungsurkunde für ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Kaliningrad (Königsberg) mit dem provisorischen Namen Trans-Baltikum-Gesellschaft. Der Zug ist Teil des so genannten "Vierachsenprojekts", das Bahnchef Hartmut Mehdorn und seine Kollegen aus Russland, Polen und Weißrussland vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufen hatten.

Da die russische Bahn eine breitere Spur als die Deutsche Bahn hat, werden die Räder an der Grenze eingestellt. "Wir machen kein Nostalgieprodukt, sondern bieten einen modernen Zug mit Schlafwagenabteilen an, die jeweils mit Dusche und WC ausgestattet sind", sagte Czilwa. Am Tage werde es Besichtigungstouren in den einzelnen Städten geben.

Fadejew kündigte außerdem ein Abkommen mit Siemens   über die Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen an. "Bis Ende 2007 werden wir ähnliche Züge wie den deutschen ICE 3 fahren", sagte er. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer sagte dazu am Dienstag, sein Unternehmen habe den Zuschlag für die Lieferung von 60 Zügen auf Basis der ICE-Technologie bekommen. Der Wert belaufe sich auf 1,5 Milliarden Euro. Darüber hinaus gebe es eine Option auf weitere 90 Züge. "Das ist ein Durchbruch", so von Pierer.

Auch der Güterverkehr auf der Schiene soll wachsen. Wie Klaus Kremper, Vorstand der DB-Frachttochter Railion, mitteilte, beträgt der Anteil grenzüberschreitender Eisenbahntransporte von Russland über Polen nach Deutschland derzeit lediglich zwei Prozent (730.000 Tonnen pro Jahr). Ziel sei es, durch attraktivere Angebote den Anteil zunächst mindestens zu verdoppeln. Die Gründung eines gemeinsamen Güterverkehrsunternehmens mit Russland stehe unmittelbar bevor.

Russland tilgt Auslandsschulden

Auch der deutsche Finanzminister Hans Eichel (SPD) dürfte mit Putins Besuch zufrieden gewesen sein. Russland will früher als erwartet seine Schulden zurückzahlen und so den deutschen Haushalt entlasten. "Es wird zu einer vorfristigen Rückzahlung kommen", sagte Schröder in Schleswig. Über Größenordnung und Details der Rückzahlung könne er noch keine Angaben machen. Sie werde jedoch im kommenden Jahr beginnen. Putin bestätigte Schröders Aussagen und fügte hinzu, er gehe davon aus, dass Russland bei einer vorzeitigen Rückzahlung Rabatt erhalte.

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