Versorgungskrise in Großbritannien Aldi lockt Lkw-Fahrer mit höheren Löhnen

Der Mangel an Lkw-Fahrern macht der britischen Wirtschaft schwer zu schaffen. Handelsriese Aldi versucht es jetzt mit dem einfachsten Mittel, das die Marktwirtschaft zu bieten hat: mehr Geld.
Aldi-Filiale in Manchester: Fahrermangel sorgt für Lücken in den Regalen

Aldi-Filiale in Manchester: Fahrermangel sorgt für Lücken in den Regalen

Foto: Marius Becker/ dpa

Im Kampf gegen den Lastwagenfahrermangel in Großbritannien öffnet Aldi den Geldbeutel: Der deutsche Handelsriese erhöht die Löhne. Die BBC berichtete unter Berufung auf die Aldi-Website, dass die Stundenlöhne nun zwischen 14,15 bis 15,34 Pfund liegen, während der Nachtschichten sogar zwischen 16,98 und 18,41 Pfund. Nach Informationen der »Sunday Times« steht eine weitere Lohnerhöhung bevor. Damit wolle Aldi verhindern, dass Fahrer inmitten der von Brexit und Corona ausgelösten Versorgungskrise abgeworben werden.

Auch Wettbewerber locken auf dem hart umkämpften Fahrermarkt mit Vorteilen. So verspricht Tesco jedem Lkw-Lenker, der vor Ende September einen Vertrag unterschreibt, einen Bonus von 1000 Pfund. Morrisons hat ein Trainingsprogramm für Lastwagenfahrer aufgesetzt.

Nach Schätzungen des Branchenverbands Road Haulage Association (RHA) fehlen landesweit bis zu 100.000 Fahrer. Der Mangel, den der Verband als »historisch« bezeichnet, sei durch Brexit-Regeln wie neuerdings notwendige Arbeitsvisa für EU-Bürger sowie die Pandemie befeuert worden. So hätten im vergangenen Jahr etwa 30.000 Lkw-Führerscheinprüfungen wegen Coronaregeln nicht abgenommen werden können. Zuletzt mussten sich viele Fahrer wegen Kontakts mit Corona-Infizierten selbst isolieren, landesweit blieben Supermarktregale leer. Doch schon zuvor hatten vergleichsweise niedrige Bezahlung und hohe Fortbildungskosten für Probleme gesorgt.

Der Milchriese Arla, der die führenden Supermärkte beliefert, musste vergangene Woche wegen des Fahrermangels 600 Lieferungen täglich absagen. »Die Lieferkette behindert unsere Erholung von der Coronakrise«, sagte Rod McKenzie vom RHA. »Die Regierung will es der Branche überlassen, das Problem zu lösen.es wäre jedoch besser, wenn sie ausländischen Fahrern kurzfristige Visa gewähren würden, während wir längerfristige Probleme bei der Ausbildung von Fahrern angehen.« Auch in Deutschland und anderen Ländern fehlen Zehntausende Lkw-Fahrer.

mik/dpa-AFX
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