Kampf gegen hohe Renditen Englische Notenbank kündigt Kauf von Staatsanleihen an

Das britische Finanzsystem ist in schweren Turbulenzen: Das Pfund war zuletzt immer stärker unter Druck geraten, die Renditen für Staatsanleihen kräftig gestiegen. Nun greift die Bank of England in den Kapitalmarkt ein.
Sitz der Bank of England in London: Staatspapierkäufe bis Oktober

Sitz der Bank of England in London: Staatspapierkäufe bis Oktober

Foto: Toby Melville / REUTERS

Die britische Notenbank geht gegen den zuletzt starken Anstieg der Renditen am heimischen Kapitalmarkt vor. Aufgrund von Störungen in diesem Marktsegment sollen ab sofort Staatspapiere mit langer Laufzeit erworben werden, wie die Bank of England am Mittwoch mitteilte. Eine Obergrenze wurde nicht genannt, die Käufe sollen allerdings zeitlich begrenzt bis Mitte Oktober stattfinden.

In den vergangenen Tagen sind die Renditen lang laufender britischer Staatsanleihen erheblich angestiegen. Käufer britischer Staatsanleihen fordern also deutlich mehr dafür, dass sie das Risiko eingehen, dem britischen Staat Geld zu leihen. Fachleute nennen als Grund die starken Steuersenkungen , die die neue Regierung von Premierministerin Liz Truss anpeilt.

Befürchtet wird eine deutlich steigende Staatsschuld und eine Erhöhung der bereits sehr hohen Inflation. Beides hat sich am Kapitalmarkt in kräftig steigenden Zinsen niedergeschlagen, vor allem in den langen Laufzeiten. Am Devisenmarkt ist das britische Pfund zuletzt erheblich unter Druck geraten.

Der jetzige Eingriff am Anleihemarkt ist heikel, weil die Notenbank eigentlich in der kommenden Woche damit beginnen wollte, ihren hohen Anleihebestand zu veräußern. Der Start des geplanten Verkaufsprozesses, der zusammen mit den steigenden Leitzinsen einer geldpolitischen Straffung gleichkommt, soll auf Ende Oktober verschoben werden.

Pfund springt nach oben und sackt gleich wieder ab

Die britischen Finanzmärkte reagierten nervös auf die Ankündigung. Das Pfund sprang zunächst um rund ein Prozent auf 1,0837 Dollar nach oben, rauschte dann aber unmittelbar wieder auf 1,0685 Dollar nach unten.

Zeitgleich griffen Investoren bei britischen Staatsanleihen zu, was die in den vergangenen Tagen auf Höhenflug gegangenen Renditen nach unten kommen ließ.

Die Rendite der besonders zinssensiblen zweijährigen britischen Anleihen sank auf 4,278 Prozent von zuvor 4,550 Prozent. Die Verzinsung der zehnjährigen Papiere sackte auf 4,373 von 4,558 Prozent ab.

sol/dpa-AFX/Reuters
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