Regierungschaos in London Finanzminister Kwarteng beendet Washington-Reise früher als geplant

Die Regierungskrise in Großbritannien ist wichtiger als das Jahrestreffen von Weltbank und IWF. Der britische Finanzminister Kwasi Kwarteng lässt sich in Washington entschuldigen und eilt zurück nach London.
Britischer Finanzminister Kwarteng: Massiv unter Beschuss

Britischer Finanzminister Kwarteng: Massiv unter Beschuss

Foto: Hannah Mckay / REUTERS

In London verdichten sich die Anzeichen für eine weitere Kehrtwende der britischen Regierung in ihrer Wirtschaftspolitik. Finanzminister Kwasi Kwarteng flog vorzeitig vom Jahrestreffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Washington zurück in die britische Hauptstadt, wie mehrere Medien am Freitag berichteten. Dort wollte er demnach mit Premierministerin Liz Truss besprechen, ob ein weiterer Teil seines Haushaltsplans zurückgenommen wird.

Truss und Kwarteng stehen auch in ihrer Konservativen Partei erheblich in der Kritik. Wie die Zeitung »Times« berichtete, soll es bereits Gespräche geben, Truss nach nur gut einem Monat im Amt zu stürzen. Sie wird dafür verantwortlich gemacht, dass ihre nur auf Schulden basierten Finanzpläne die Märkte erhebliche Turbulenzen ausgelöst hatten.

Auch dass die Regierung die angekündigte Streichung des Spitzensteuersatzes wieder zurücknahm, konnte die Kritiker nicht beruhigen. Nun betonten Beamte und Truss-Unterstützer zwar, die Premierministerin werde an ihren weiteren Vorhaben festhalten. Allerdings berichtete die Zeitung »Guardian«, Truss und Kwarteng könnten nun doch an der für April geplanten deutlichen Anhebung der Unternehmensteuer festhalten. Dabei hatte die Premierministerin wiederholt betont, die noch von ihrem Vorgänger Boris Johnson beschlossene Erhöhung von 19 auf 25 Prozent wieder zu streichen. Auf entsprechende Fragen sagte Kwarteng: »Mal sehen.«

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