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Angebot zurückgewiesen Briten lehnen Partnerschaft mit Hannover Messe ab

Mehr als zwei Jahre nach dem Brexit fröstelt es offenbar in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien. Das musste Niedersachsens Ministerpräsident Weil nach SPIEGEL-Informationen gerade erfahren.
aus DER SPIEGEL 29/2022
Weil (rechts) auf der Hannover Messe im Mai

Weil (rechts) auf der Hannover Messe im Mai

Foto: Axel Heimken / AFP

Der deutschen Wirtschaft droht eine anhaltende Durststrecke in den Beziehungen zu Großbritannien. Das zeigt ein gescheiterter Vorstoß des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), die beiden Handelsnationen wieder enger zusammenzuführen.

Bei einer Großbritannien-Reise im März hatte Weil versucht, das Land als Partner für eine der nächsten Hannover Messen zu gewinnen. Auf der weltgrößten Industriemesse tritt jedes Frühjahr eine andere Nation prominent in Erscheinung, um sich und ihre Unternehmen zu präsentieren. 2016 etwa fiel die Wahl auf die USA, zur Eröffnung reiste eigens der damalige Präsident Barack Obama an.

Bei einem Treffen mit dem damaligen britischen Minister für Handel und Investitionen, Lord Gerry Grim­stone, Ex-Chef der Großbank Barclays und Mitglied des britischen Oberhauses, warb Weil nun vehement für die Partnerschaft. Gerade nach dem Brexit müssten Deutschland und Großbritannien ihre bilateralen Beziehungen auf wirtschaftlicher Ebene stärken, sagte der niedersächsische Ministerpräsident laut Teilnehmern.

Der Minister ist inzwischen zurückgetreten – das Problem bleibt

Drei Monate später sagte Grimstone jedoch ab. Die britische Regierung habe unlängst ihr Engagement auf internationalen Messen überprüft, heißt es knapp in einem Brief vom 23. Juni, »wir mussten unsere begrenzten Ressourcen weltweit auf eine kleinere Anzahl von Events fokussieren«.

Aus: DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Titelillustration: Maren Amani für den SPIEGEL

Keiner da, der sich kümmert

Die düsteren Prognosen von Wirtschaftsexperten tat man über Jahre als überzogen ab. Nun ist der Personalmangel da – und trifft Deutschland mit Wucht. Gesucht werden nicht nur Menschen mit Spitzenqualifikationen, sondern auch mit ganz alltäglichen Berufen. Ohne sie droht dem Land der Kollaps.

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Beobachter halten das für einen Vorwand. Die konservative Regierungspartei scheue derzeit eine allzu große Nähe zur deutschen Wirtschaft, aus wahltaktischen Gründen: Europafreundliche Signale könnten die Wählerinnen und Wähler der Tories womöglich vergrätzen. Die jüngste Regierungskrise in London werde an der ab­lehnenden Haltung deshalb wenig ändern, heißt es. Grimstone ist vergangene Woche wegen der Skandale um den scheidenden Premier Boris Johnson zurückgetreten.

Die niedersächsische Staatskanzlei will sich zu den vertraulichen Gesprächen nicht äußern. Einen weiteren Vorstoß nach dem anstehenden Regierungswechsel schließt Weil jedoch nicht aus: »Großbritannien ist immer ein potenzielles Partnerland«, lässt er mitteilen. Es bestehe »kein zeitlicher Druck in dieser Frage«.

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