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Großbritannien: PFUND - HOCH IM KURS

aus DER SPIEGEL 39/1980

An die Regel hatten sich alle gewöhnt: Je rascher Britanniens Wirtschaft auf Talfahrt ging, desto schneller sackte auch der Pfundkurs ab. Jetzt indes tut sich Absurdes: Die Arbeitslosigkeit grassiert wie zuletzt nur noch in der Weltdepression der dreißiger Jahre (gut 2 Millionen Arbeitslose), die Inflation galoppiert weiter (16,3 Prozent), die Firmenpleiten erreichen Rekordhöhe, doch ausgerechnet das Pfund Sterling erweist sich als eine der härtesten Währungen der Welt. Gegenüber dem US-Dollar ist die britische Valuta derzeit so hoch bewertet wie seit fünf Jahren nicht mehr. Gegenüber der Mark wird das Pfund mit jetzt knapp 4,30 Mark über 15 Prozent höher bewertet als im Oktober 1978. Damals kostete ein Pfund nur 3,70 Mark. Daß diesmal alles anders ist, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen bescherte die rabiate Austerity-Politik Margaret Thatchers dem Land Rekordzinsen (zeitweilig bis 20 Prozent), verlockend genug für Ausländer, Milliarden in Pfund anzulegen. Zum anderen kaschieren die Einnahmen aus Nordseeöl, daß die Industrie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. So prophezeit die Bank von England im jüngsten Quartalsbericht, daß Großbritanniens Industrie in den nächsten Monaten weniger Güter im Ausland verkaufen wird als im ersten Halbjahr 1980.

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