Mögliche erneute Kehrtwende der Finanzpolitik Britisches Pfund steigt wieder an

Boris Johnson wollte die Unternehmenssteuern erhöhen, Liz Truss wollte die Erhöhung wieder zurücknehmen – jetzt aber doch nicht? Nach Medienberichten über eine neuerliche Kehrtwende ist der Kurs der britischen Währung gestiegen.
Liz Truss hatte wiederholt angekündigt, die noch von Boris Johnson beschlossene Erhöhung von 19 auf 25 Prozent wieder zu streichen

Liz Truss hatte wiederholt angekündigt, die noch von Boris Johnson beschlossene Erhöhung von 19 auf 25 Prozent wieder zu streichen

Foto: Tolga Akmen / EPA

Nach Berichten über eine bevorstehende weitere Kehrtwende der britischen Regierung in ihrer Finanzpolitik ist das Pfund gestiegen. Die britische Währung, die zuletzt schwer unter Druck geraten und zeitweise auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten gerutscht war, legte zum US-Dollar bis zum Donnerstagmittag deutlich zu. Die Zeitung »Guardian«  berichtete, die Regierung erwäge, die für April geplante deutliche Anhebung der Unternehmenssteuer doch nicht zurückzunehmen.

Premierministerin Liz Truss hatte wiederholt angekündigt, die noch von ihrem Vorgänger Boris Johnson beschlossene Erhöhung von 19 auf 25 Prozent wieder zu streichen.

Finanzminister Kwasi Kwarteng wich Fragen nach der Unternehmenssteuer am Rande der Jahrestagung von Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington aus. Kwarteng betonte, er werde seinen Kurs durchziehen. »Mein Fokus liegt darauf (...) sicherzustellen, dass wir wieder Wachstum in unsere Wirtschaft bringen«, sagte der Minister. Zuvor hatte ein Sprecher von Truss gesagt, die Position der Premierministerin habe sich nicht geändert und es seien keine Änderungen geplant.

Auch Abgeordnete der regierenden Konservativen Partei drängen die Regierung dazu, ihre nur auf Schulden finanzierten Vorhaben im Wert von Dutzenden Milliarden Pfund zu überdenken. Der Internationale Währungsfonds kritisierte die Pläne ebenfalls.

Die Regierungschefin, die bereits nach wenigen Wochen im Amt auch in den eigenen Reihen schwer in der Kritik steht, hatte wiederholt Forderungen zurückgewiesen, ihre Wirtschaftspolitik zu ändern. Allerdings hatten Truss und Kwarteng bereits nach kurzer Zeit einen Teil ihrer umfassenden Steuerreform angesichts lauter Proteste gestrichen – der Spitzensteuersatz bleibt, anders als zunächst vorgesehen, in der bisherigen Höhe von 45 Prozent bestehen.

ani/dpa
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