"Flashcrash" Tippfehler lässt Pfund abstürzen

Das britische Pfund ist in der Nacht blitzartig abgestürzt. Der Auslöser war banal, trotzdem steckt mehr dahinter.
Pfundnoten

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Foto: Sukree Sukplang/ REUTERS

War es bloß ein Tippfehler, der in der Nacht zum Freitag den größten Kurseinbruch beim britischen Pfund seit dem Brexit-Votum auslöste? Binnen Minuten verlor die Währung mehr als sechs Prozent gegenüber dem Dollar und fiel auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren. Wenig später schnellte das Pfund wieder nach oben, es blieb aber weiter deutlich geschwächt. "Flashcrash" nennen Finanzexperten so etwas - ein kleiner Auslöser verstärkt durch elektronischen Computerhandel oder Panik führt zum Absturz.

Händler halten einen sogenannten Fat-Finger-Trade für möglich, also eine versehentlich ausgelöste Transaktion aufgrund eines Tippfehlers. Danach könnten vorab programmierte Computeralgorithmen auf das falsche Signal aus dem Handel aufgesprungen und weitere Transaktionen automatisch ausgelöst haben. Dies hätte zu einer Abwärtsspirale geführt.

Dies sei in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen - zuletzt beim südafrikanischen Rand im Januar oder beim neuseeländischen Dollar vor etwa einem Jahr. Aber beim britischen Pfund, einer der führenden Leitwährungen?

Da stecke mehr dahinter, meint Karl Schamotta vom kanadischen Finanzdienstleister Cambridge Global Payments. Der Absturz des Pfunds stimme nachdenklich bezüglich der Liquidität am Markt.

Ein "Flashcrash" kann besonders leicht in einem Markt mit geringem Handelsvolumen entstehen. Wenn wenig gehandelt wird, können schon vergleichsweise kleine Transaktionen zu großen Kursreaktionen führen. Die Instabilität des Pfunds könnte also auch dadurch verursacht sein, dass sich immer mehr Anleger von der Währung abwenden.

Dafür spricht auch, dass das Pfund schon zuvor deutlich nachgegeben hatte. An den Finanzmärkten mehren sich die Fragezeichen über den künftigen politischen Kurs Großbritanniens. Grund dafür ist eine Rede von Premierministerin Theresa May vom vergangenen Wochenende. Der Tenor: Die Brexit-Verhandlungen sollen schnell beginnen. Bei der Einwanderung soll es keine Kompromisse geben. Die Regierung werde auf Staatsausgaben statt auf einen Sparkurs setzen.

Angesichts solcher Töne fürchten die Finanzmärkte nicht mehr nur um den Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt, meinen Analysten der Bank Unicredit . Es gehe vielmehr um den grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Kurs der britischen Regierung. Das Land könnte sich abschotten und von seiner traditionell liberalen Wirtschaftspolitik verabschieden. All dies sei schädlich für den Status des Pfunds. Die Währung werde unter Druck bleiben.

asa/dpa