Neue Probebohrungen Britische Regierung hebt Frackingverbot auf

Hauptsache Gas: Der neue britische Energieminister Jacob Rees-Mogg treibt das Fracking in seinem Land voran. Es war verboten worden, weil die Erdbebengefahr als unkalkulierbar gilt.
Energieminister Jacob Rees-Mogg: »Absolute Priorität« für Energieversorgung

Energieminister Jacob Rees-Mogg: »Absolute Priorität« für Energieversorgung

Foto: NEIL HALL / EPA

Großbritannien hat am Donnerstag das seit 2019 geltende Moratorium für Fracking zur Gewinnung von Schiefergas formell aufgehoben. Als Grund wurde genannt, die Stärkung der Energieversorgung des Landes habe »absolute Priorität«.

Wirtschafts- und Energieminister Jacob Rees-Mogg sagte, dass alle Energiequellen erforscht werden müssten, »daher ist es richtig, dass wir die Unterbrechung beendet haben, um alle potenziellen Gasquellen im Land zu erschließen«. Der Schritt folgt früheren Ankündigungen, das Fracking wieder aufzunehmen.

Beim Fracking wird Schiefergas aus Gestein gewonnen, indem es mit Wasser und Chemikalien unter hohem Druck aufgebrochen wird. Es wurde in Großbritannien allerdings nicht wegen der möglichen Vergiftung des Bodens verboten, sondern weil die zuständige Aufsichtsbehörde Sorge wegen der Erdbeben hatte, die dadurch ausgelöst werden können.

Die Vorschriften vor dem Verbot sahen vor, dass die Frackingprojekte jedes Mal unterbrochen werden mussten, wenn sie ein Erdbeben der Stärke 0,5 oder mehr auslösten. Nach Ansicht von Wissenschaftlern muss dieser Wert allerdings erhöht werden, wenn Großbritannien mit dieser Methode nennenswerte Mengen Gas fördern will.

International hochumstrittene Fördermethode

In einer Überprüfung der akzeptablen seismischen Aktivität hieß es am Donnerstag, dass man nur wenig über die Risiken des Verfahrens wisse, aufgrund der begrenzten bisherigen Erkundung. Die Regierung erklärte, die Aufhebung des Verbots würde es ermöglichen, die Bohrungen wieder aufzunehmen und mehr Daten zu sammeln, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Schiefergas sicher gewonnen werden kann.

Neben der Erdbebengefahr ist die Fördermethode auch aus weiteren Gründen umstritten. Die verwendeten Chemikalien verunreinigen tiefe Wasserschichten und Böden. Hinzu kommen Treibhausgasemissionen und langfristige Veränderungen der Gesteinsstruktur. Weil der technische Aufwand und der Wasserverbrauch sehr hoch ist, wird auch immer wieder die langfristige Rentabilität in Zweifel gezogen.

Nach einem regelrechten Frackingboom in den USA sind die Preise lange gefallen; erst die Energieknappheit infolge der russischen Invasion in die Ukraine lässt vielen das Fracking wieder attraktiv erscheinen. In Deutschland findet derzeit kein kommerzielles Öl- oder Erdgasfracking statt.

mamk/Reuters
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