Großbritannien Wettrennen um die niedrigsten Steuern

Erbschaftsteuer weg, Unternehmensteuer runter, weniger Einkommensteuer - die konservative Opposition in Großbritannien verspricht den Wählern für den Fall einer Regierungsübernahme Steuergeschenke. Doch eine Sorge treibt sie Berichten zufolge um - dass die Labour-Regierung die Ideen klauen könnte.


Hamburg - Die oppositionellen Tories wollen einen Plan vorlegen, wonach sie im Falle eines Regierungswechsels die Steuern reduzieren würden. Unter anderem soll demnach die Erbschaftsteuer in England abgeschafft werden. Die Zeitung "Daily Telegraph" berichtet, dass allein durch den Wegfall dieser Steuerart jährlich rund 2,6 Milliarden Pfund (rund 3,8 Milliarden Euro) weniger an Steuern eingenommen würden.

Torys-Führer Cameron: Unterbietungswettbewerb in Sachen Steuerern
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Torys-Führer Cameron: Unterbietungswettbewerb in Sachen Steuerern

Dem Bericht zufolge ist der Plan noch nicht von David Cameron, Chef der Konservativen, gebilligt. George Osborne, Camerons Mann für Finanzen, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Tories den Plan vorlegen würden - wenn nicht Premierminister Gordon Brown von der Labour-Partei schneller ist.

Die Tories befürchten, dass Brown sich das Vorhaben zu Eigen machen könnte. Brown versuche derzeit, alle Steuerreduzierungen, die von den Konservativen vorgeschlagen werden, zu unterbieten, heißt es in dem Bericht. Die Tories debattieren derzeit darüber, wie Großbritannien in der globalisierten Welt wettbewerbsfähiger werden kann.

Unternehmensteuer sollen demnach auf 25 Prozent begrenzt werden, was Mindereinnahmen von rund 4,8 Milliarden Pfund zur Folge hätte. Außerdem soll der maximale Einkommensteuersatz von 40 Prozent künftig erst ab Jahreseinkommen in Höhe von 43.000 Pfund angewendet werden. Bislang gilt die Grenze von 38.335 Pfund.

Trotz der zahlreichen Steuerkürzungen gehen die Tories davon aus, dass die Pläne aufkommensneutral umzusetzen sind. Ein Sprecher der Partei sagte zu SPIEGEL ONLINE, über die Details der Gegenfinanzierung werde noch gesprochen.

Ein Sprecher der Labour-Partei erklärte, auch Brown plane Steuerkürzungen. Es sei ein umfassendes Wahlkampfprogramm in Arbeit, sagte er. Spätestens im Mai 2010 muss in Großbritannien ein neues Parlament gewählt werden. Beobachter rechnen damit, dass die Wahlen womöglich auf diesen Herbst vorgezogen werden. Brown hatte das Amt des Premierministers Ende Juni ohne das Votum der Wähler vom vorzeitig zurückgetretenen Tony Blair übernommen.

kaz

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