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Große Pläne, stille Reserven

Die neue Struktur des Allianz-Konzerns *
aus DER SPIEGEL 2/1985

Die Allianz (Beitragseinnahmen 1983 insgesamt 15,4 Milliarden Mark) ist eines der ertragsstärksten Versicherungsunternehmen der Welt - und die Nummer eins in der Bundesrepublik. Muttergesellschaft des verschachtelten Konzerns ist bislang die Allianz Versicherungs-Aktiengesellschaft in München. Sie ist zu 46 Prozent an der Allianz Lebensversicherungs-AG (Stuttgart) beteiligt.

Zum Allianz-Imperium gehören Versicherungsfirmen wie die Frankfurter und die Hamburg-Mannheimer (siehe Graphik S. 56), das Unternehmen ist darüber hinaus an Industrieunternehmen wie Mercedes und Thyssen beteiligt. Jüngste Neuerwerbung im Ausland ist die italienische Riunione Adriatica (RAS).

Davor hatte die Allianz vergeblich versucht, die britische Eagle Star vollständig zu übernehmen. Der Tabackonzern BAT, der wie die Allianz bereits an Eagle Star beteiligt war, machte zum Schluß das bessere Angebot. Die Allianz verkaufte daraufhin ihren bisherigen Eagle-Star-Anteil (30 Prozent) mit gutem Gewinn für 560 Millionen Mark.

Am 10. Dezember vergangenen Jahres hat der Aufsichtsrat einstimmig die Pläne des 57jährigen Unternehmenschefs Wolfgang Schieren für die Neuordnung des Konzerns gebilligt. Nun muß noch die Hauptversammlung am 27. Juni zustimmen.

Die neue Holding (Allianz AG) wird mit der jetzigen Allianz Versicherungs-Aktiengesellschaft identisch sein. Sie soll den Gesamtkonzern steuern sowie die Beteiligungspolitik und das Rückversicherungsgeschäft übernehmen. Sie wird darüber hinaus in Bereichen tätig werden, die Versicherungsunternehmen verwehrt sind; bankähnliche Geschäfte zählen dazu.

Die Dachgesellschaft übernimmt die Beteiligung an der Allianz Lebensversicherungs-AG. Daneben werden weitere Gruppen von der Holding dirigiert - als wichtigste die neue Allianz Versicherungs-AG, die das gesamte Sachversicherungsgeschäft betreibt. Schieren versteht diese Sachgruppe als »eine Art Teilkonzern«.

Weitere Säulen des neuen Allianz-Gebäudes sind eine Gruppe der inländischen Versicherungs-Beteiligungen (Hamburg-Mannheimer, Karlsruher, Hermes beispielsweise) und die Auslandsgesellschaften. Das Kapital, das in Industriefirmen steckt, wird unter »sonstige Beteiligungen« zusammengefaßt.

Eine wichtige Frage der Umstrukturierung hat Schieren bereits geklärt, ehe das Konzept zur endgültigen Billigung dem Aufsichtsamt für das Versicherungswesen vorgelegt wird: Ertragsteuern werden auch nach Ansicht der bayrischen Finanzbehörden nicht fällig. Eigenkapital und anderes Vermögen werden zu den bisherigen Werten von der Holding auf die Tochter, die das Erstversicherungsgeschäft betreibt, übertragen. Die stillen Reserven bleiben.

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