Großrazzia Kartellamt lässt Büros von Ferienfliegern durchsuchen

Das Bundeskartellamt hat die Büros mehrerer Touristikkonzerne und Ferienflieger durchsuchen lassen. Sie sollen sich zu Lasten der Reisebüros abgesprochen haben, so der Verdacht. Betroffen waren Thomas Cook, TUI, LTU und Air Berlin.


Maschinen von Thomas Cook: Besuch von den Fahndern des Kartellamts
DPA

Maschinen von Thomas Cook: Besuch von den Fahndern des Kartellamts

Bonn/Hamburg - Anlass für die Razzien sei die Vermutung, dass sich die Reiseunternehmen bei der Kündigung ihrer Agenturverträge mit den Reisebüros kartellwidrig abgesprochen haben, so das Kartellamt in einer Mitteilung. Die Verträge waren in den letzten Tagen von allen Touristikern zum selben Termin - dem 1. November - für aufgelöst erklärt worden. Die Reisebüros befürchteten, dass die fast zeitgleich versandten Kündigungsschreiben darauf abzielen, ihre Provision für den Vertrieb von Charterflugreisen zu streichen oder zu drücken.

Das Kartellamt teilte nicht offiziell mit, welche Unternehmen von den Durchsuchungen betroffen waren. Die Tourismuskonzerne Thomas Cook, TUI sowie die Fluggesellschaften LTU und Air Berlin bestätigten aber, Besuch vom Bundeskartellamt erhalten zu haben.

"Beamte des Bundeskartellamtes waren heute bei uns im Hause", hieß es vom Thomas-Cook-Konzern, zu dem der Ferienflieger Condor gehört. Eine Sprecherin sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Die Vorwürfe sind aus unsere Sicht haltlos."

"Die waren hier", sagte auch eine TUI-Sprecherin und bestätigte Durchsuchungen bei der TUI-Ferienflug-Tochter Hapagfly. Sie ergänzte: "Wir haben nichts zu befürchten." Auch Air Berlin wies den Verdacht auf Absprachen zurück: "Die Untersuchungen sind uns absolut unverständlich. Es gibt keine Absprachen", so der Firmensprecher.

LTU wollte nicht von einer Durchsuchung sprechen. "Es fanden ein Besuch und ein Gespräch im Zuge der Kündigungen der Agenturverträge und der unterstellten Preisabsprache statt", sagte ein Konzernsprecher. LTU habe den Beamten sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt. "Eine solche Absprache hat es von unserer Seite aus nicht gegeben", betonte er. Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) wollte sich zu den Durchsuchungen nicht äußern.

Die Billigairline easyJet, die nie Provisionen an Reisebüros gezahlt hat, nutzte die Durchsuchungen als Anlass zur Konkurrenten-Schelte. John Kohlsaat, Deutschland-Chef von easyJet, teilte mit: "Zwischen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern darf es keine geheimen Absprachen geben. Für den Reisenden muss klar sein, wofür er zur Kasse gebeten wird."

Seit Monaten diskutieren die beteiligten Reiseveranstalter, Reisebüros und Verbände mit den Ferienfluggesellschaften, über eine Veränderung der Provisionszahlungen für den Verkauf von Einzelplatztickets der Fluglinien. Diese fühlen sich durch das Vordringen der Billigfluggesellschaften unter Druck gesetzt und versuchen deshalb ihrerseits, bessere Bedingungen auszuhandeln.

Die meisten Billigflieger zahlen den Reisebüros keine Provision für die Vermittlung der Tickets, auch die Lufthansa hatte die Vergütung im vergangenen September gestrichen. Seither erheben die Reisebüros für den Verkauf der Flugtickets eine Servicegebühr beim Kunden. Ähnliche Modelle diskutieren nun die Ferienfluggesellschaften. Eine Einigung auf neue Verträge hat es bislang noch nicht gegeben.



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