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EM.TV Gutachter-Hickhack um Haffas

aus DER SPIEGEL 2/2003

Wegen einer Ungeschicklichkeit ihrer Anwälte müssen sich die gescheiterten Medienunternehmer Thomas und Florian Haffa möglicherweise deutlich länger vor Gericht verantworten als erwartet. Noch zu Prozessbeginn Anfang November hatte Huberta Knöringer, Vorsitzende Richterin am Landgericht München I, gehofft, das Verfahren Ende Januar abzuschließen. Dann sollte sich entscheiden, ob die Unternehmensgründer, denen die Staatsanwaltschaft Kursbetrug und Bilanzkosmetik vorwirft, mit einer Geldbuße davonkommen oder eine Haftstrafe absitzen müssen. Doch der Streit um die Bestellung eines Sachverständigen droht den Prozess nun bis in das Frühjahr hinein zu verzögern. Um ihren bedrängten Mandanten beizustehen, hatten die Haffa-Anwälte bereits vor Anklageerhebung den Münchner Bilanzexperten Wolfgang Lück als Entlastungszeugen aufgeboten. Obwohl der Wirtschaftsprofessor in einem Gutachten zu dem Schluss kommt, einige der umstrittenen Buchungspraktiken der Haffas seien vertretbar gewesen, stimmte das Gericht zu, den renommierten Wirtschaftsprofessor als neutralen Sachverständigen zu hören, und bot an, den Fachmann über den bisherigen Prozessverlauf zu unterrichten. Kurz vor Weihnachten stellte sich heraus, dass der Experte bereits informiert war - durch die Verteidigung. Am Dienstag dieser Woche wollen die düpierte Vorsitzende und ihre Beisitzer nun verkünden, ob sie einen eigenen Sachverständigen benennen. Machen sie ihre Drohung wahr, wovon Rechtsexperten ausgehen, könnte sich das Urteil bis weit in den März verschieben, weil der neue Mann sich erst einarbeiten muss.

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