Hermann-Josef Tenhagen

Gute Vorsätze 2020 gehe ich besser mit Geld um

Gute Vorsätze sind hoffnungslos? Falsch! Gerade, wenn es um Geld geht, schließlich kann man systematisch vorgehen. Drei Tipps: für Orientierungslose, für Vermögende, gegen den Dauer-Dispo.
Die Goldfrage: auf lange Sicht noch weniger Gewinn als Aktien

Die Goldfrage: auf lange Sicht noch weniger Gewinn als Aktien

Foto: Leonhard Foeger/ REUTERS

Na, kommen die Finanzen auch bei Ihren guten Vorsätzen für 2020 vor? Dann hätte ich etwas für Sie. Denn es gibt wieder viele Gelegenheiten, noch ein wenig klüger mit dem eigenen Geld umzugehen.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, es ist besser, sich nur Dinge vorzunehmen, die zwar ambitioniert, aber erreichbar sind. Dabei sollten wir uns der eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein. Und weil wir alle verschieden sind, mache ich hier drei Vorschläge für finanzielle Neujahrsvorsätze - je nach Lebenslage.

1. Die Wo-stehe-ich-Lage

Ich weiß gar nicht mehr, welche Verträge ich habe, wie viel sie kosten und wie viele davon eigentlich überflüssig sind.

In dieser Lage brauchen Sie zunächst nur einen Aktenordner und auf dem Rechner oder in der Cloud den passenden Dateiordner. Dort hinein kommen alle Verträge, die im Alltag regelmäßig bezahlt werden müssen. Der Mietvertrag, der Stromvertrag, der Vertrag für Heizung, Handy, Internet, Girokonto und Kreditkarte. Dann die Autoversicherung, die Haftpflicht, die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Hausrat, der Rechtsschutz, und so weiter.

Und jetzt nehmen Sie sich Ihren Kalender und schreiben in jeden Monat genau einen Vertrag, den Sie sich in diesem Monat vornehmen wollen. So arbeiten sie nach und nach den Ordner ab.

Prüfen Sie in Ruhe, ob Sie den noch brauchen, ob er leistungsfähiger sein könnte und vor allem günstiger. Das funktioniert sogar beim Mietvertrag: Denn die Nebenkostenabrechnung enthält viele Sparpotentiale . Vielleicht ist Ihre Nebenkostenabrechnung sogar falsch, das kommt ziemlich häufig vor. Dann gibt es womöglich Geld zurück.

Oder nehmen Sie sich den Stromvertrag vor. Bei den meisten ist der Strompreis gerade erst erhöht worden. Ein guter Anlass mal den Markt zu prüfen, ob es nicht günstigere und vielleicht auch ökologischere Anbieter  gibt. Das ist kein zwangsläufiger Widerspruch: Ökostrom muss nicht teurer sein. Ich persönlich habe gerade meinen Ökostromanbieter im Sommer gewechselt.

Unsere Erfahrung bei Finanztip zeigt: Übers Jahr sind für die meisten Menschen beim ersten Durchflöhen des Aktenordners 1000 Euro mehr netto drin, für Familien sogar das Doppelte.

2. Die Woher-nehmen-und-nicht-stehlen-Lage

Es fehlt mir finanziell an allen Ecken und Enden, und im Januar stehe ich nach all den Weihnachtsausgaben schon wieder tief im Dispo - kurz vor dem Limit.

In so einer Situation sollten Sie zuerst schauen, ob Sie nicht Anrecht auf staatliche Mittel haben, die Sie nicht nutzen. Wenn die Miete drückt und das Einkommen niedrig ist, gibt Ihnen das neue Wohngeldgesetz 2020 vielleicht erstmals die Chance auf Wohngeld. Nach Schätzungen nimmt nur jeder Dritte sein Recht auf Wohngeld wahr. Über eine Million Haushalte sollten eigentlich berechtigt sein.

Rund 160 Euro Wohngeld  erhalten Empfänger im Schnitt, so die Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Und im Gegensatz zu Hartz fragt das Amt nicht, wie groß die Wohnung ist. Niemand muss für Wohngeld umziehen. Entscheidend ist, wie viel Geld sie zur Verfügung haben und was die Wohnung kostet. Sie können sogar Wohngeld bekommen für eine Wohnung, die ihnen selbst gehört.

Falls Sie Kinder haben, sollten Sie außerdem den Kinderzuschlag  für Familien mit wenig Einkommen bei der Familienkasse beantragen. Maximal 185 Euro im Monat gibt es. Bis zu 750.000 Kinder sollen ab Januar von einem Kindergeldzuschlag der Eltern profitieren können. Nun sollten Sie Ihre Ausgaben  in den Blick nehmen: Ab jetzt wird jeder Euro ins Haushaltsbuch oder in der Haushalts-App eingetragen, um hinterher zu wissen, wo weniger Ausgaben möglich sind. Führen Sie mindestens für drei Monate genau Buch, dann haben Sie einen guten Überblick, wo Sie ansetzen können.

Mit der Tank-App  zum Beispiel lassen sich jeden Monat 5 Euro, für manche sogar 15 Euro an der Zapfsäule sparen. Die Preisunterschiede an Ihrer Strecke zur Arbeit können 10, manchmal sogar bis zu 20 Cent pro Liter betragen. Vom Preisnepp der Mineralölkonzerne an den Autobahntankstellen ganz zu schweigen.

Natürlich können Sie sich auch die Supersonderangebote für neue Handytarife  ansehen, mit denen Sie jetzt für unter 10 Euro mit viel Datenvolumen surfen können, statt dafür 25 Euro und mehr auszugeben. 15 Euro im Monat sparen, das macht übers Jahr 180 Euro. Und natürlich schaden auch Ihnen die Maßnahmen aus Punkt 1 nicht.

3. Die Wohin-mit-dem-Geld-Lage

Ich habe genug gespart, vielleicht sogar ein kleines Vermögen. Aber ich weiß nicht so recht, wie ich das Ersparte erhalten kann - vor dem Hintergrund von Niedrigzinsen und mit Angst vor der Börse.

Die Goldfrage verfolgt manche Menschen mit Ersparnissen sogar zum Neujahrsgottesdienst. Als ich im Anschluss mit meiner Familie vor der Kirche stand, sprachen mich gleich mehrere Leute an: Das eigene Geld in Gold anzulegen, das sei doch eine hervorragende Idee! Vor Weihnachten haben offenkundig viele versucht, Bares anonym in Gold umzutauschen. Im neuen Jahr muss man sich beim Kauf von Gold schon ab einem Wert von 2000 Euro ausweisen , vor dem Jahreswechsel lag die Grenze noch bei 10.000 Euro.

Ich habe nichts gegen Goldmünzen und Goldbarren, aber größere Summe oder den Notgroschen würde ich niemals in Gold anlegen. Den Notgroschen nicht, weil der Goldkurs viel zu sehr schwankt. Und zwar vergleichbar mit Aktienkursen. Würden Sie Ihren Notgroschen in Aktien anlegen?

Das große Vermögen würde ich aber auch nicht in Gold anlegen, weil es keine Zinsen bringt, dafür aber Kosten verursacht. Das Schließfach bei der Bank  kostet 50 Euro im Jahr, der heimische Safe noch mehr. Und zur Zeit mag der Goldkurs zwar steigen. Auf lange Sicht aber ist Gold spekulativ und macht doch weniger Gewinn als Aktien.

Zum Autor
Foto:

Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Notgroschen gehören aufs Tagesgeldkonto . Bei Cosmos Direct gibt es dort aktuell 0,3 Prozent Zinsen im Jahr, manche niederländische Bank bietet für Neukunden sogar anfangs mehr. Okay, das ist nicht viel, aber mehr als nichts.

Das große Vermögen können Sie relativ risikoarm für 15 Jahre oder länger in weltweit und marktbreit anlegenden Aktienindexfonds anlegen - das Stichwort lautet ETF. Seit 1975 haben Anleger mit diesem Konzept über 15 Jahre nie Verluste erlitten. Lief es schlecht, waren nur 1 oder 2 Prozent Zinsen im Jahr drin, lief es gut, deutlich über 10 Prozent. In Schnitt waren es mindestens 7 Prozent. Das heißt: In 10 Jahren hätten Sie ihr Kapital locker verdoppelt .

Viel Erfolg mit den neuen guten Vorsätzen. Und ein gesundes und gesegnetes Jahr 2020.