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LUFTHANSA Guter Name

Die Lunhansa will den Hotelkonzern Hilton International kaufen - ein teures Geschäft. *
aus DER SPIEGEL 36/1987

Neugierigen Vorstandskollegen blieb Heinz Ruhnau eine präzise Antwort schuldig. »Wir sind erst am Anfang der Prüfungsphase«, beschied der Chef der Deutschen Lufthansa die Fragesteller vor den Sommerferien.

Geprüft wird noch immer. Doch inzwischen ist Ruhnau fest entschlossen: Er will die internationale Hotelkette Hilton ins Haus holen und seine Fluggesellschaft damit ganz nebenbei zu einem der größten Beherbergungskonzerne der Welt aufsteigen lassen.

Hilton International steht, wieder einmal, zum Verkauf. Erst Anfang des Jahres hatte Amerikas zweitgrößte Fluglinie United Airlines den Hotelgiganten für 982 Millionen Dollar übernommen.

Der Kauf, so United-Chairman Richard F. Ferris zur Jahreswende, beschleunige »auf dramatische Weise unsere Expansionsstrategie als führendes Reiseunternehmen«.

Die Freude darüber war nur kurz. United geriet in finanzielle Schwierigkeiten auch durch das teure Hilton-Geschäft. Ferris wurde gefeuert. Seine Nachfolger wollen den Konzern so schnell wie möglich wieder losschlagen.

Lufthansa-Manager sehen jetzt die Chance, ihr Unternehmen zur weltweiten Reisefirma auszubauen. Für große Airlines nämlich gehört es bereits seit einiger Zeit zum Service, mit dem Flugticket auch einen Mietwagen und ein Hotelbett anzubieten.

Da kommt die United-Offerte gelegen. Hilton ist für viele Reisende der Hotelname schlechthin, nicht nur in den USA. Dort hatte der Amerikaner Conrad Hilton nach dem Ersten Weltkrieg im texanischen Cisco seine erste Herberge eingerichtet. Heute gibt es eine Hilton Corporation, die in den USA arbeitet, und daneben die jetzt zum Verkauf stehende Hilton International, mit 92 Hotels in 44 Ländern.

Im globalen Wettbewerb der Flugunternehmen könnte die Lufthansa mit Hilton im Gepäck Boden gutmachen. »Ruhnau würde das beste Hotelmanagement der Welt kaufen«, kommentiert ein Frankfurter Hotelchef.

Im Übernachtungsgeschäft ist die deutsche Fluggesellschaft schon jetzt. Die Lufthansa hält Beteiligungen an der Luxushotelkette Kempinski. Gemeinsam mit anderen Fluggesellschaften ist die Lufthansa zudem an der Penta-Hotelholding in Amsterdam und an den deutschen Inter-Conti-Hotels beteiligt. Durchaus reisenah hat sich die Lufthansa obendrein mit 25 Prozent beim Autoverleiher Avis eingekauft.

Der Hilton-Deal freilich würde aus diesem Akquisitionsrahmen herausfallen, zumal der Preis seit dem letzten Verkauf noch gestiegen ist. Statt der gezahlten 982 Millionen Dollar verlangt United jetzt 1,1 Milliarden für die ungeliebte Tochter.

Finanzierungspläne für die Übernahme liegen Ruhnau bereits vor. Danach will sich die Lufthansa direkt nur mit zehn Prozent an Hilton beteiligen. Weitere 15 Prozent soll die Deutsche Bank übernehmen. Der große Rest, so hoffen die Lufthansa-Rechner, könnte durch die Ausgabe von Hilton-Aktien breit gestreut finanziert werden.

Die Zeit für Planspiele ist kurz. Ruhnaus Lufthansa ist nicht das einzige Unternehmen, das sich um den gut florierenden Hotelkonzern bemüht. Mit von der Partie sind Konkurrenten wie Japan Air Lines ebenso wie die amerikanischen Hotelgrößen Hyatt und Marriott.

Hoteltycoon Bill Marriott allerdings will Hilton weit unter dem United-Preis haben. Mehr als 650 Millionen Dollar, hat Marriott ausgerechnet, sei Hilton nicht wert. Auch die Lufthansa will auf keinen Fall den geforderten Milliarden-Betrag akzeptieren.

Tatsächlich ist ein angemessener Preis für den Konzern nur schwer zu schätzen, denn Immobilienkapital ist kaum vorhanden. Die Mehrzahl der Hotels in Düsseldorf oder London, Tokio oder Bangkok wird als reine Management-Betriebe geführt. Verkauft werden also vorwiegend ein Name und eine eingespielte Organisation.

Wie schwer das Hotelfach zu handhaben ist, haben einige Fluggesellschaften längst gemerkt. So baute Pan Am vor Jahrzehnten die Inter-Continental-Kette auf - und mußte sie Anfang der Achtziger wieder abstoßen. TWA legte sich Hilton zu - und verkaufte Anfang des Jahres überraschend an United Airlines.

Europäische Linien hatten bislang mehr Erfolg. Air France gründete die Hotelkette Meridien und baute sie zu einem Unternehmen der Spitzenklasse aus. Die Swissair entwickelte zusammen mit dem Nahrungsmittel-Multi Nestle die feinen Swissotels.

Wird aus der Lufthansa ebenfalls ein erfolgreicher Hoteleigentümer, so dürfte das beträchtliche Auswirkungen auf das bundesdeutsche Beherbergungsgewerbe haben. Schon jetzt laufen in vielen Städten rund 30 Prozent aller Hotelbuchungen über die Verkaufsorganisationen der Airlines. »Die berücksichtigen natürlich zuerst ihre eigenen Häuser - und wir gehen zunehmend leer aus«, klagt ein führender Hotelmanager.

Die Macht der Lufthansa bekam die Branche jetzt beim Gerangel um das geplante Hotel am Münchner Flughafen Erding zu spüren. Dort einzusteigen haben Unternehmen wie Steigenberger oder Sheraton nur geringe Chancen.

»Diese Goldgrube«, fürchtet ein Hotelmann, »bekommt das Lufthansa-Unternehmen Kempinski, dafür haben die schon gesorgt.«

Wo die Lufthansa beim Milliarden-Poker um Hilton liegt, weiß derzeit niemand so genau."Die Konkurrenz ist groß«, sagt Vorstand Frank Beckmann. Außerdem, so Beckmann, müsse »das Ding noch durch die Gremien«.

Vorsicht ist in der Tat angebracht: Als die niederländische Fluglinie KLM Ende vergangenen Jahres Hilton kaufen wollte, wurde der bereits fertige Vertrag im letzten Moment vom Aufsichtsrat gekippt. Den KLM-Aufpassern war der Preis von 975 Millionen Dollar zu hoch.

Inzwischen ist der Preis gestiegen, und der Lufthansa-Aufsichtsrat hatte das Thema noch gar nicht auf der Tagesordnung.

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