Gutverdiener Deutsche Ärzte gehen seltener bankrott

Sie schließen ihre Praxen im Protest, fordern steigende Einkommen von den Kassen - dabei arbeiten deutsche Mediziner in einer bemerkenswert krisenfesten Branche. Die ohnehin niedrige Zahl der Insolvenzen bei Arztpraxen ist laut SPIEGEL-Informationen im Abschwungjahr 2008 sogar gesunken.


Hamburg/Berlin - Die Zahl der Arztpraxen, die 2008 in die Pleite gingen, ist nach SPIEGEL-Informationen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 25 Prozent gesunken. Am stärksten war der Rückgang unter den Facharztpraxen mit minus 39 Prozent.

Mediziner bei der Arbeit: Vor allem Facharztpraxen trotzen der Krise
DPA

Mediziner bei der Arbeit: Vor allem Facharztpraxen trotzen der Krise

Während im Jahr 2007 genau 223 Arzt- und Zahnarztpraxen zahlungsunfähig wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 165 Praxen. Damit sind Ärzte deutlich seltener von Insolvenz betroffen als andere Unternehmer im Durchschnitt. So kommen auf 10.000 Arzt- und Zahnarztpraxen in Deutschland 24 Insolvenzfälle. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Unternehmen werden jedes Jahr 96 von 10.000 Unternehmen zahlungsunfähig.

Die Wahrscheinlichkeit eines Arztes pleitezugehen, ist damit viermal seltener als die eines anderen Unternehmers. Die Zahlen beruhen auf Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Dennoch liefern sich Mediziner und Krankenkassen derzeit einen Schlagabtausch wegen zu niedriger Honorare. Vor allem Fachärzte in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein protestieren mit Einschnitten bei der Versorgung von Kassenpatienten gegen vermeintlich zu wenig Geld.

In dem Streit tritt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) für einen Ausgleich zwischen den einzelnen Einkommens-Töpfen ein. Dauerhafte Ärztestreiks erwarte sie nicht, da die Mediziner sich so um ihren eigenen Verdienst brächten, sagte Schmidt am Freitag in Berlin.

Es müsse einen Ausgleich geben zwischen überwiegend nach festen Budgetregeln bezahlten Ärzten und Medizinern mit außerhalb dieser Grenze abrechenbaren Leistungen, forderte die Ministerin. Der Spitzenverband der Krankenkassen begrüßte den Vorschlag, "mehr Flexibilität in die Honorarverteilung zu bringen". Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sagte dem "Tagesspiegel", die mit Budget-Obergrenzen versehenen Regelleistungen müssten höher bewertet werden.

Für das Gros der Behandlungen und Diagnosen gelten Honorargrenzen. Leistet ein Arzt hier mehr, dann bekommt er dafür nur noch einen Bruchteil des jeweiligen Honorars. Zusätzliche Leistungen wie Vorsorge, ambulantes Operieren oder die Arbeit niedergelassener Ärzte in Kliniken werden aber extra bezahlt. Köhler will nun mehr Geld für die Grundversorgung durch Regelleistungen. Schmidt sagte, manche Ärzte bekämen aus dem einen Topf bis zu 80 Prozent ihrer Leistungen, manche aus dem anderen - hier müsse ausgeglichen werden.

suc/dpa



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