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27. Juli 2005, 09:33 Uhr

Halbjahresbilanz

Flugzeugbauer EADS überrascht Analysten

EADS hat seinen Gewinn kräftig gesteigert. Den Zuwachs verdankt das europäische Luft- und Raumfahrtunternehmen vor allem seiner Tochter Airbus. Die neue deutsch-französische Führungsspitze des Konzerns tut sich einem Zeitungsbericht zufolge allerdings noch schwer mit der Zusammenarbeit.

A 380: Airbus soll 2005 360 Flugzeuge ausliefern
AIRBUS/DDP

A 380: Airbus soll 2005 360 Flugzeuge ausliefern

München/Amsterdam - Von Januar bis Juni konnte EADS den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sonderposten (Ebit) um 57 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro steigern. Wie das Unternehmen heute mitteilte, fiel der Konzerngewinn unter dem Strich mit 816 Millionen Euro fast doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum, als netto 381 Millionen Euro erwirtschaftet wurden. Der Umsatz konnte nach Auskunft um zehn Prozent auf 16 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Auftragseingang stieg sogar um fast 90 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro.

Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten erheblich. Die starken Zuwächse verdankt der Boeing-Konkurrent vor allem seiner Tochter Airbus, die ihre Auslieferungen von 28 auf 189 Flugzeuge steigerte. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das EADS-Management weiter mit einem operativen Ergebnis von über 2,6 Milliarden Euro und Erlösen von 33 Milliarden Euro. Airbus soll dabei insgesamt 360 Flugzeuge ausliefern.

Die Gewinnerwartungen pro Aktie erhöhte der Konzern von 1,36 Euro auf 1,50 Euro. Im Vorjahr betrug der Gewinn je Anteilsschein 1,27 Euro. Bereits im März hatte der weltweit zweitgrößte Flugzeughersteller sein operatives Gewinnziel erhöht, obwohl der Konzern unter einem zähen Führungskampf zwischen dem deutschen und der französischen Seite litt.

"Jeder von uns würde gerne alleine führen"

Mit der Übernahme der Konzernführung durch den Franzosen Noël Forgeard und den Deutschen Thomas Enders ist diese Auseinandersetzung zwar beendet. Wirklich zusammengewachsen sei die deutsch-französische Doppelspitze aber noch nicht, berichtet die "Financial Times Deutschland" mit Bezug auf ein Interview der beiden Konzernchefs mit der Mitarbeiterzeitschrift der EADS.

Forgeard betonte demnach, er hoffe darauf, "dass wir eine Ebene finden, auf der jeder von uns spürt, ob er für den anderen mitsprechen kann, ohne Rücksprache mit ihm zu halten." Thomas Enders sagte dem Bericht zufolge: "Jeder von uns beiden würde es vorziehen, alleine zu führen. Aber für eine Ein-Mann-Spitze ist die Zeit noch nicht reif - Befindlichkeiten auf nationaler und auf Kunden-Seite müssen berücksichtigt werden."

Enders habe sich außerdem für einen Ausstieg der staatlichen Großaktionäre Frankreich und Spanien aus dem Konzern ausgesprochen. Er hoffe, dass "EADS in fünf Jahren mehr freie Aktionäre hat, dass sich die staatlichen Anteilseigner zurückziehen, was unserer Internationalisierungsstrategie zusätzlichen Schub verleihen würde", zitiert die Zeitung den deutschen Co-Chef. Einen Rückzug der Staaten aus dem Konzern hielten Konzernkenner jedoch für unwahrscheinlich. Spanien hält fast sechs Prozent der EADS Aktien, der französische Staat kontrolliert über eine Zwischengesellschaft gut 15 Prozent des Konzerns.

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