Halbjahreszahlen Landesbanken schreiben satte Gewinne

Fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise stehen die deutschen Landesbanken wieder etwas besser da: Die zwei größten Institute, die BayernLB und die LBBW, haben im ersten Halbjahr wieder höhere Gewinne erzielt - bleiben für die Zukunft aber vorsichtig.

LBBW in Stuttgart: Solide Halbjahreszahlen
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LBBW in Stuttgart: Solide Halbjahreszahlen


München/Stuttgart - Die beiden größten deutschen Landesbanken, die LBBW und die BayernLB, haben ihre Halbjahresbilanz vorgelegt, und beide konnten Erfolge vermelden - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Deutschlands größte Landesbank LBBW hat dank guter Ergebnisse im ersten Halbjahr ihre Risiken weiter verringert. Wie die LBBW am Montag in Stuttgart mitteilte, legte das Ergebnis vor Steuern um 34 Prozent auf 260 Millionen Euro zu. "Nachdem die Restrukturierung weitestgehend abgeschlossen ist, richtet die LBBW alle Kraft auf das Kundengeschäft", sagte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter.

Allein das risikoreiche Kreditersatzgeschäft sei auf 16 Milliarden Euro reduziert worden. Ende 2012 hatte es noch bei 22 Milliarden Euro gelegen. Die LBBW will weg von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten und zur reinen Kundenbank werden. Wann die Risiken endgültig auf null reduziert werden, ist nach Angaben eines Sprechers aber noch offen.

Ende 2009 hatte die EU-Kommission milliardenschwere Hilfen für die damals finanziell angeschlagene Landesbank gebilligt - im Gegenzug muss sich das Geldhaus auf sein Geschäft in der Region konzentrieren. Im vergangenen Jahr hatte die LBBW 398 Millionen Euro Gewinn gemacht - nachdem sie 2011 mit 66 Millionen Euro erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben hatte. Für das laufende Jahr erwartet das Geldhaus nach wie vor ein positives Ergebnis, bleibt aber weiterhin vorsichtig. Eine konkrete Prognose sei derzeit unter anderem wegen "der weiter bestehenden Unwägbarkeiten an den Finanzmärkten" nicht möglich.

BayernLB bleibt trotz Gewinnsprung vorsichtig

Die BayernLB verkneift sich nach einem kräftigen Gewinnsprung im ersten Halbjahr für den Rest des Jahres allzu große Zuversicht. Lediglich ein positives Ergebnis verspricht Bankchef Gerd Häusler - und bleibt damit vorsichtig. Dabei hat die einst mit Milliarden gerettete Landesbank vor Steuern nach sechs Monaten mit 720 Millionen Euro bereits mehr Geld verdient als im gesamten Vorjahr. Finanzvorstand Stephan Winkelmeier begründete die Zurückhaltung der zweitgrößten deutschen Landesbank vor allem mit der weiter nur schwer vorherzusagenden Wirtschaftsentwicklung in Europa.

Bisher jedenfalls läuft es bestens. Dank besserer Geschäfte aber auch wegen des umstrittenen Verkaufs ihrer Wohnungstochter GBW im zweiten Quartal wuchs der Vorsteuergewinn allein in den Monaten April bis Juni um mehr als das Vierfache auf 563 Millionen Euro. Davon profitiert auch Bayern: Zum August überwies die Bank weitere 50 Millionen Euro und kommt so bei der Rückzahlung der Staatshilfen voran. Bis 2019 muss die Bank fünf Milliarden Euro an den Freistaat zurückgeben, bis heute hat die Bank davon gut 900 Millionen gezahlt.

"Die soliden Erträge aus dem Kerngeschäft im ersten Halbjahr 2013 zeigen, dass das kundenfokussierte Geschäftsmodell der Bank nunmehr nachhaltig gut funktioniert", sagte Bankchef Häusler. Der Banker arbeitet seit seinem Amtsantritt im April 2010 an der Restaurierung der von der Finanzkrise hart getroffenen Landesbank, die auch noch den Milliarden-Fehlkauf der österreichischen HGAA zu verdauen hatte. Die EU verhängte wegen der Milliardenhilfen Auflagen, das dazugehörige Beihilfeverfahren endete im Juli vor einem Jahr. Neben der Rückzahlung der Staatshilfen musste die BayernLB vor allem schrumpfen - und kam dabei bislang gut voran.

Einer der größten Brocken war die Immobilientochter GBW mit ihren 32.000 Wohnungen vor allem in bayerischen Großstädten. In einem Bieterverfahren bekam ein Konsortium unter Führung des Augsburger Immobilienkonzerns Patrizia den Zuschlag. Auch ein kommunales Bieterbündnis unter Führung Münchens hatte für die Wohnungen geboten, war aber leer ausgegangen. Der BayernLB brachte das erzwungene Geschäft nun ein Geldsegen.

Unter dem Strich macht sich der Verkauf der GBW mit einem einmaligen Plus von 351 Millionen bemerkbar und treibt damit den Gewinn der Bank deutlich nach oben. Doch auch im eigentlichen Bankgeschäft ging es in den ersten beiden Quartalen aufwärts, zudem musste die Bank weniger Geld für faule Kredite zur Seite legen als noch vor einem Jahr. Sorgenkind bleibt die ungarische Tochter MKB, die im ersten Halbjahr rund 108 Millionen Euro Verlust machte. Nach Vorgaben der EU muss die BayernLB die MKB bis 2015 verkaufen.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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Freidenker10 27.08.2013
1. optional
Kein wunder wenn man für sein guthaben keine zinsen mehr bekommt und für seinen dispo wucherzinsen zahlen muss. Tolles geschäftsmodel..
güntilein 27.08.2013
2. Wenn die Gewinne in der Staatskasse landen, ist alles in Butter.
Hoffentlich haben die Verantwortlichen aus ihrer Zockerei gelernt. Über Gehaltserhöhungen sollten die sich allerdings auch nicht unterhalten. Es gibt genug Löcher, die seit 2009 existieren und geschlossen werden müssen. Dank dieser Kräfte.
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