Hamburger Hafen Börsengang soll dringenden Ausbau ermöglichen

Der Hamburger Hafen geht an die Börse. Eigentlich hatte alles nach einem Verkauf ausgesehen - doch die Mitarbeiter hatten etwas dagegen. Die überraschende Entscheidung soll den Boom des größten deutschen Hafens beschleunigen.


Hamburg - Es war nicht so, dass es an Interessenten für die Hamburger Hafen und Logistik (HHLA) gefehlt hätte: Die Anwärter waren im Laufe der Zeit sogar ausgesprochen zahlreich. Die Bahn gehörte einst zum Bieterkreis, schied dann aber aus. Nun gehen die australische Bank Macquarie und ein Konsortium um den Baukonzern Hochtief Chart zeigen - die zum Schluss noch übrig blieben - ebenfalls leer aus.

Hamburger Hafen: Ausbau ist dringend notwendig
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Hamburger Hafen: Ausbau ist dringend notwendig

Der Hafen geht an die Börse, zumindest teilweise, so hat es der Hamburger Senat nun beschlossen. Rund 30 Prozent des Aktienkapitals soll in Form von Stammaktien angeboten werden, erklärte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Das parallel laufende Bieterverfahren sei gestoppt worden.

Bei Macquarie und Hochtief bat der Bürgermeister schlicht um Verständnis: Ein wochenlanger Streit mit der Belegschaft hätte dem Hafen geschadet. Dass die Stadt aber erpressbar sei, davon "kann keine Rede sein", fügte er sogleich hinzu. Ein bisschen nach Einknicken sieht es aber trotzdem aus, schließlich hatten zuletzt alle Zeichen auf Verkauf gestanden. Doch die HHLA-Beschäftigten hatten vehement gegen die Pläne zur Teilprivatisierung des Unternehmens protestiert. Sie drohten einen Überstunden-Boykott an und hätten dadurch den Betrieb im Hafen lahm gelegt. Das Unternehmen gehört über eine Zwischenholding zu 100 Prozent der Stadt, wird aber nach privatwirtschaftlichen Regeln geführt.

Nun versprach die Stadt Hamburg, auf alle Fälle das Steuer bei der HHLA in der Hand zu behalten. Die Anteile sollten deshalb möglichst breit gestreut werden, hieß es heute. Darüber hinaus sollen im Rahmen einer Mitarbeiterbeteiligung stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgegeben werden, die den HHLA-Mitarbeitern einen Vermögensaufbau durch die Teilhabe an der künftigen Unternehmensentwicklung ermöglicht. Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) erklärte, ein Börsengang noch 2007 sei durchaus realistisch.

Zwei Drittel Marktanteil beim Containerumschlag

Mit dem Teil-Börsengang sollen endlich die fehlenden Millionensummen für den dringenden Ausbau des Hafens gewonnen werden. Es gehe um Infrastrukturinvestitionen bis 2012, die bisher nicht in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen seien, erklärte die Stadt. Hintergrund ist die bis 2015 geplante Verdoppelung des Containerumschlags.

Dazu werden etwa für den Ausbau von Elbe, für Umschlagsanlagen und Verkehrsverbindungen ins Hinterland sowie für die Erschließung neuer Flächen und die Verlagerungen von Betrieben an neue Standorte innerhalb des Hafens in den nächsten Jahren 2,9 Milliarden Euro benötigt, von denen bisher nur zwei Milliarden Euro gedeckt sind. Die HHLA als größter Umschlagsbetrieb im Hafen bestreitet allein beim Containerumschlag einen Marktanteil von zwei Dritteln. Die geplanten Investitionen seien Grundlage für die Schaffung von bis zu 10.000 neuen Arbeitsplätzen in der Metropolregion Hamburg, so von Beust.

Dass die Papiere des Unternehmens an der Börse ihre Abnehmer finden werden, daran gibt es wohl kaum Zweifel. Der Hamburger Hafen boomt. Im Jahr 2006 erwirtschaftete der HHLA-Konzern erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. Das Unternehmen beschäftigt 4215 Menschen. Die HHLA ist außerdem über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften direkt oder indirekt in fast allen Hafenbereichen aktiv. So ist sie im Immobilien- und Beratungsgeschäften aktiv, besitzt die historische Speicherstadt und den Fischmarkt in Hamburg.

ase/Ap/dpa/Reuters



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