Coronakrise Handel warnt vor massenhaften Pleiten

Der Shutdown bringt Tausende Einzelhändler und Autohäuser in Existenznöte. Handelsverbände schlagen Alarm, sie halten das Rettungspaket der Bundesregierung für unzureichend.
VW-Händler: Reserven für 30 bis 40 Tage

VW-Händler: Reserven für 30 bis 40 Tage

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Wegen wochenlanger Schließungen könnte zahlreichen Einzel- und Autohändlern schon bald das Geld ausgehen. Davor warnen der Handelsverband Deutschland (HDE) sowie der Volkswagen und Audi Partnerverband (VAPV) in einer gemeinsamen Erklärung gegenüber dem SPIEGEL. VAPV-Präsident Dirk Weddigen von Knapp, dessen Verband gut 2000 VW- und Audi-Händler mit insgesamt mehr als 100.000 Beschäftigten vertritt, sieht aktuell mehr als die Hälfte dieser Autohäuser akut bedroht. "Die Liquidität reicht für 30 bis 40 Tage, danach ist ein Großteil der Betriebe tot", so Weddigen von Knapp.

Ähnliche Bedenken äußert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Wir begrüßen die geplanten Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung", sagt Genth, "aber wir sehen weiterhin die Gefahr, dass die Kreditbewilligung durch die Banken zu lange dauert." Die Regierung, die ihr 600 Milliarden Euro schweres Hilfspaket heute durch den Bundestag bringen wolle, müsse erheblich nachbessern. Ansonsten drohe eine Pleitewelle in den deutschen Innenstädten, unter anderem bei alteingesessenen Schuh- und Bekleidungsfilialisten, so Genth: "Unter den gegebenen Umständen halten viele Einzelhändler nicht länger als vier Wochen durch."

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Der HDE vertritt gut 300.000 Einzelhändler mit insgesamt drei Millionen Mitarbeitern, davon 1,8 Millionen in sogenannten Non-Food-Geschäften, die wegen der Corona-Pandemie seit vergangener Woche geschlossen sind und deshalb keinerlei Umsätze mehr machen. Bei ungefähr einem Sechstel der Händler, also 50.000, handelt es sich laut Genth um mittelgroße Unternehmen mit zahlreichen Filialen, die nicht vom Soforthilfeprogramm der Bundesregierung profitierten. "Sie laufen Gefahr, zwischen den einzelnen Förderprogrammen der Bundesregierung durchzufallen, weil sie keine Kleinunternehmen, aber auch nicht so groß wie die Lufthansa sind", so Genth.

Mittelgroße Modeunternehmen beispielsweise, die bereits Millionenbeträge für eine praktisch unverkäufliche Frühjahrskollektion ausgegeben hätten, seien durch Kredite allein jedoch nicht zu retten. "Auch für solche Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern müsste der Staat Soforthilfen leisten", sagt Genth, "indem er zum Beispiel die horrenden Mietkosten in den deutschen Innenstädten bezuschusst."

Beide Verbandsvertreter fordern außerdem größere Erleichterungen für Unternehmen, die einen Kredit bei ihrer Hausbank beantragen. Die Förderbank KfW solle für 100 Prozent des Ausfallrisikos bürgen. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung sieht hingegen vor, dass die KfW nur bis zu 90 Prozent des Kreditrisikos übernimmt, den Rest muss die Hausbank tragen. "Das bedeutet, dass die Hausbank eine eigene Bonitätsprüfung vornehmen muss", kritisiert Weddigen von Knapp, "Damit riskiert man, dass die Kreditbewilligung zu lange dauert - und die Hilfe für viele Händler zu spät kommt." 

Eine hundertprozentige Kreditbürgschaft durch die KfW hatte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in den vergangenen Tagen noch abgelehnt. Der Entwurf für das Hilfspaket soll den Bundestag heute unverändert passieren. Die Verbandsvertreter Genth und Weddigen von Knapp haben jedoch keinen Zweifel: "Es wird noch Nachbesserungen geben müssen."