Handelsgigant in Nöten Metro schockt mit Gewinnwarnung

Metro klagt über das miese Geschäft. Deutschlands größter Handelskonzern hat wegen der mauen Binnenkonjunktur und schwacher Geschäfte seiner angeschlagenen Supermarktkette Real die Umsatz- und Ergebnisprognose überraschend deutlich gesenkt.


Düsseldorf - Metro rechne im laufenden Jahr nur noch mit einer Umsatzsteigerung von rund vier Prozent, teilte das Düsseldorfer Unternehmen mit. Bislang hatte der Vorstand trotz der schleppenden Inlandskonjunktur ein Umsatzplus von fünf bis sechs Prozent prognostiziert.

Metro-Einkaufswagen: "Negativ überraschende" Zahlen
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Metro-Einkaufswagen: "Negativ überraschende" Zahlen

Noch drastischer könnte demnach der Gewinn unter den bisherigen Erwartungen liegen. Das Ergebnis je Aktie (EPS) werde bereinigt um steuerliche Einmalbelastungen voraussichtlich nur noch im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Unbereinigt könne der Nettogewinn sogar deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen, hieß es in einer Mitteilung vom Vorabend. Bisher hatte Metro ein EPS-Wachstum von acht bis zwölf Prozent angestrebt.

Börsianer zeigten sich enttäuscht, bereits vorbörslich schwenkte der Metro-Aktienkurs ins Minus. "Negativ überraschend ist vor allem die Senkung der Gewinnprognose", sagte LRP-Analyst Christian Schindler.

Als Grund für die überraschende Prognosesenkung nannte Metro die schwache Entwicklung der SB-Warenhauskette Real sowie den enttäuschenden Verlauf der Binnenkonjunktur seit der Bundestagswahl. Auch für den restlichen Jahresverlauf gab sich der Vorstand pessimistisch und sprach von einer erhöhten Unsicherheit.

Real war im Frühjahr von einem Fleischskandal erschüttert worden. Abgelaufenes Hackfleisch war in einigen Filialen umetikettiert und erneut angeboten worden. Mit einer millionenschweren Werbekampagne hatte das Real-Management in der Folge versucht, dies vergessen zu machen. Weil schnelle Erfolge ausblieben, setzte Metro-Chef Hans-Joachim Körber die Führungsspitze von Real vor die Tür. Branchenexperten hatten seither wiederholt spekuliert, dass Real noch zu einer ernsten Belastung für den erfolgsverwöhnten Metro-Konzern werden könne.

Metro will mit einem Kostensenkungsprogramm die angeschlagene SB-Warenhauskette wieder auf Kurs bringen. Man erwarte, dass Real "mittelfristig, in zwei bis drei Jahren", bei Umsatz und operativem Ergebnis wieder auf das Niveau von 2004 komme, sagte Konzernchef Körber.

Quartalszahlen unter den Erwartungen

Im abgelaufenen dritten Quartal konnte Metro Chart zeigen den Umsatz zwar weiter steigern, operativ verdiente der Handelskonzern nach den heute vorgelegten Zahlen jedoch deutlich weniger als von Branchenexperten erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sei zum Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent auf 299,4 Millionen Euro gesunken, gab Metro bekannt. Branchenexperten hatten mit 320 Millionen Euro gerechnet.

Der Umsatz stieg den Angaben zufolge allerdings um 4,9 Prozent auf 14,06 Milliarden Euro - wie von den Analysten geschätzt. "Die Zahlen sind nicht so schlecht, wie nach der gestrigen Gewinnwarnung zu befürchten war", sagte am Morgen in einer ersten Reaktion Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing.



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