Handelskonzern Wal-Mart schließt Filialen in Deutschland

Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart steigert seinen Quartalsgewinn stärker als erwartet. Bei der deutschen Dependance legt der Konsumgigant allerdings den Rückwärtsgang ein.


Bentonville/Hamburg - Der Reingewinn im vierten Quartal sei auf 3,6 Milliarden Dollar oder 86 Cent je Aktie gestiegen - nach 3,2 Milliarden Dollar vor Jahresfrist, teilte Wal-Mart heute vor Börsenbeginn mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 83 Cent pro Aktie erwartet. Der Umsatz kletterte um 8,6 Prozent auf 89,3 Milliarden Dollar.

Wal-Mart-Filiale: Laptops für 400 Dollar
REUTERS

Wal-Mart-Filiale: Laptops für 400 Dollar

Der Gewinnanstieg sei ein Resultat des starken Geschäftes zu Weihnachten und Neujahr, hieß es. Das US-Unternehmen profitierte dabei von einer aggressiven Werbekampagne, die den Absatz von Laptops förderte. Wal-Mart hatte am 1. November und damit zwei Wochen früher als sonst mit Sonderangeboten gelockt, darunter Laptops für 400 Dollar.

Aktien von Wal-Mart notierten nach den Zahlen vorbörslich dennoch im Minus. Grund hierfür war vor allem der zurückhaltende Ausblick für 2007. Demnach peilt der Konzern einen Gewinn zwischen 2,88 und 2,95 Dollar je Aktie an, der Markt hatte bislang mit 2,98 Dollar gerechnet.

Schließungen in Deutschland

Gleichzeitig stehen mehrere deutsche Wal-Mart-Filialen vor der Schließung. Betroffen seien Standorte in Düsseldorf-Reisholz, Sigmaringen und Mühldorf, berichtet die "Financial Times Deutschland". Ein Sprecher bestätigte entsprechende Pläne.

Beobachter werfen dem Unternehmen ein allzu defensives Verhalten vor und spekulieren über einen Rückzug des Konzerns vom hiesigen Markt. Tatsächlich betreibt Wal-Mart Germany nach der Schließung der drei Häuser zehn Filialen weniger als beim Start in den Jahren 1997 und 1998. Das Handelshaus hat seither hierzulande unglücklich agiert. Kritiker werfen dem US-Management vor, in der Vergangenheit zu wenig auf deutsche Konsumgewohnheiten eingegangen zu sein. Auch hat das Unternehmen die Macht der Discounter und den harten Preiskampf unterschätzt.

Deutschland-Chef David Wild dementierte allerdings Rückzugspläne und betonte in einer Erklärung das langfristige Engagement von Wal-Mart in der Bundesrepublik. Derzeit werde das Standortportfolio optimiert. Man wolle möglichst bald die "Gewinnschwelle erreichen" und "weiter wachsen".

suc/dpa-AFX/Reuters



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