Handelsstreit Trump und Xi wollen wieder verhandeln

Kein Durchbruch in der Sache - aber das Versprechen, keine weiteren Zölle auf Importe zu erheben: Die USA und China haben sich in ihrem Handelsstreit auf eine Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen geeinigt.

Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping
Susan Walsh/AP/dpa

Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping


Die USA und China haben sich in ihrem Handelskrieg auf eine Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen geeinigt. Das berichtete US-Präsident Donald Trump am Samstag nach seinem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels der großen Wirtschaftsnationen in Osaka in Japan. Trump sprach von einem "ausgezeichneten Treffen".

Zum Auftakt des 80-minütigen Gesprächs hatte Xi Jinping zu Dialog und Zusammenarbeit aufgerufen: "China und die USA profitieren beide von Kooperation und verlieren bei einer Konfrontation. Kooperation und Dialog sind besser als Spannungen und Konfrontation." Er erinnerte an die "Ping-Pong-Diplomatie" bei der Aufnahme der Beziehungen. 1971 hatten Tischtennisspieler beider Länder bei den Weltmeisterschaften in dem 180 Kilometer von Osaka gelegenen Nagoya erstmals Kontakt miteinander aufgenommen, was die Normalisierung in den Beziehungen einleitete. Seither habe es "enorme Veränderungen" gegeben.

Mit Blick auf das Scheitern der Verhandlungen vor zwei Monaten sagte der US-Präsident: "Wir waren uns sehr nahe, und dann passierte etwas, und es rutschte etwas weg." Er fügte hinzu. "Es wäre historisch, wenn wir eine faire Handelsvereinbarung bekommen könnten." Die vereinbarte Wiederaufnahme der Verhandlungen wird Investoren und Märkte weltweit vorerst beruhigen. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unmittelbar danach, die USA hätten zugesagt, keine weiteren Zölle auf chinesische Importe erheben zu wollen. Trump bestätigte dies wenig später auf einer Pressekonferenz: Die Einführung von weiteren Sonderzöllen sei damit ausgesetzt.

Nach Angaben von Trump hatten beide Präsidenten schon bei einem informellen Gespräch am Freitagabend erste Fortschritte gemacht. "Ob wir einen Deal machen können, wird die Zeit zeigen." Der US-Präsident unterstrich seine persönliche Einschätzung, dass er eine "großartige Beziehungen" zu Xi Jinping pflege.

Der Handelskrieg bremst das Wachstum - in den USA wie in China

Die beiden größten Volkswirtschaften liefern sich seit einem Jahr einen erbitterten Handelskrieg, der das Wachstum in beiden Staaten bremste. Trump hat in diesem Handelskrieg rund die Hälfte der Importe aus China mit 25-prozentigen Sonderzöllen überzogen, während China mit Gegenzöllen reagiert hat. Im Raum stand jetzt die Drohung Trumps, die Sonderabgaben auf die restlichen China-Einfuhren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar auszuweiten, wenn China kein Entgegenkommen zeigt. Er dachte an Zölle in Höhe von 10 bis 25 Prozent.

Der Handelskrieg bremst sowohl das Wachstum in China als auch in den USA. Auch die Weltwirtschaft wird durch die Unsicherheiten für die Investoren gedrosselt, warnen Experten. In den USA hatten sich vor dem G20-Gipfel mehr als 500 Unternehmen und 140 Vereinigungen in einem Brief an den US-Präsidenten gewandt, in dem sie ein Ende der Spirale von immer neuen Zöllen und die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit China forderten. "Wir wissen aus erster Hand, dass zusätzliche Zölle signifikante negative und langfristige Folgen für die Unternehmen, Landwirtschaft, Familien sowie die gesamte US-Wirtschaft haben", hieß es in dem Schreiben.

Auch die deutsche Exportwirtschaft und die in China tätigen deutschen Unternehmen spüren die Auswirkungen des andauernden Handelsstreits. So haben sich die Aussichten besonders in den vergangenen Wochen deutlich verdüstert, berichtete die deutsche Auslandshandelskammer in China.

Auslöser des Handelskrieges war die Verärgerung von Trump darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Er fordert mehr Marktzugang, kritisiert Verletzung von Urheberrechten, zwangsweisen Technologietransfer und staatliche Subventionen. Die Verhandlungen waren vor zwei Monaten festgefahren, weil die USA beklagten, dass China hinter vorher gemachte Zusagen zu geplanten Wirtschaftsreformen zurückgefallen sei.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung war an einer Stelle von Zöllen auf Exporte die Rede, gemeint waren jedoch Zölle auf Importe. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

oka/dpa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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Peletua 29.06.2019
1. Sparsames Lächeln
Wozu dieses Theater? Was von Trumps Zusagen zu halten ist, weiß man, und Xi weiß es ganz sicher besser als jeder andere. Sein sparsames Lächeln, die reservierte Körpersprache und Trumps übliche, überzogene Schmierentheater-Pose sprechen Bände.
iasi 29.06.2019
2. Auch Trumps Vorgänger sahen das Handelsungleichgewicht als Problem
Trump will nun etwas dagegen unternehmen. Und das ist auch gut so, denn eine Weltwirtschaft, die darauf basiert, dass die ganze Welt die USA als Absatzmarkt nutzt und dadurch beständig enorme US-Handelsdefizite sowie "Exportweltmeister" erzeugt, wirkt gefährlich destabilisierend und führt zum nächsten Crash. China schottet seinen Markt ab und redet gleichzeitig ständig von Freihandel. China kontrolliert seine Währung und verschafft sich dadurch Handelsvorteile, denn bei dem enormen Exportüberschuss hätte die chinesische Währung längst stärker und chinesische Waren dadurch längst teurer werden müssen. Deutschland profitiert in ähnlicher Weise ja auch vom Euro.
bernteone 29.06.2019
3. Langsam sickert auch zu Trump durch
Das die amerikanische Wirtschaft unter den Zöllen genau so leidet wie die Chinesen und ein eknknicken der Chinesen ist auch nicht in Sicht . Nun muß der Dealmaker sehen wie er da wieder raus kommt und die Story auch noch als Erfolg verkaufen . Aber da wird ihm schon eine Geschicht einfallen , wobei seine Lügen immer schlechter werden .
123rumpel123 29.06.2019
4. xxxx
Zitat von bernteoneDas die amerikanische Wirtschaft unter den Zöllen genau so leidet wie die Chinesen und ein eknknicken der Chinesen ist auch nicht in Sicht . Nun muß der Dealmaker sehen wie er da wieder raus kommt und die Story auch noch als Erfolg verkaufen . Aber da wird ihm schon eine Geschicht einfallen , wobei seine Lügen immer schlechter werden .
Das sich Demokraten und Republikaner in der Kausa China einig sind, wird sich die Sache hinziehen. Ist für alle Beteiligten nicht nur Handelskrieg sondern vorrangig ein Systemwettbewerb respektive Auseinandersetzung.
cipo 29.06.2019
5.
Zitat von iasiTrump will nun etwas dagegen unternehmen. Und das ist auch gut so, denn eine Weltwirtschaft, die darauf basiert, dass die ganze Welt die USA als Absatzmarkt nutzt und dadurch beständig enorme US-Handelsdefizite sowie "Exportweltmeister" erzeugt, wirkt gefährlich destabilisierend und führt zum nächsten Crash. China schottet seinen Markt ab und redet gleichzeitig ständig von Freihandel. China kontrolliert seine Währung und verschafft sich dadurch Handelsvorteile, denn bei dem enormen Exportüberschuss hätte die chinesische Währung längst stärker und chinesische Waren dadurch längst teurer werden müssen. Deutschland profitiert in ähnlicher Weise ja auch vom Euro.
Drei amerikanische Forscher haben sich anhand des iPhone 7 einmal damit beschäftigt, wie das "enorme Handelsdefizit" wirklich entsteht. Das Ergebnis dürfte Sie überraschen: Die Gesamtfertigungskosten eines iPhone 7 sind mit $ 237,45 angesetzt und fließen in vollem Umfang in das Handelsdefizit ein, obwohl davon tatsächlich nur $ 8,46 (= 3,56%) nach China gehen. Weitaus größere Gewinnanteile fließen aber in die USA ($ 68,69), nach Japan ($ 67,70) und Taiwan ($ 47,84). Laut der Studie trugen iPhone 7 und 7 Plus $ 15.7 Milliarden zum Handeldefizit bei, obwohl in Wirklichkeit nur $ 559 Millionen von dieser Summe wirklich nach China gehen. Und das Spiel können Sie nun bei allen Marken-Konsumgütern wiederholen. http://theconversation.com/we-estimate-china-only-makes-8-46-from-an-iphone-and-thats-why-trumps-trade-war-is-futile-99258
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