Neue US-chinesische Handelsgespräche Verhandeln bis zum nächsten Tweet

Die USA und China verhandeln diese Woche in Peking über eine Beilegung ihres Handelskriegs. Fragt sich nur wie ernsthaft: Die Amerikaner schicken nur ihre dritte Reihe - und mit Störfeuer von US-Präsident Trump ist zu rechnen.
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

Foto: Alex Brandon/ AP

Wie surreal es ist, mit Donald Trump zu verhandeln, wissen selbst die Republikaner. Kurz vor Weihnachten hatten sie sich im Haushaltsstreit noch mit den Demokraten geeinigt, einen Regierungsteilstillstand in allerletzter Minute abzuwenden. Der US-Präsident stimmte zu und ließ seine Forderung nach einer Mauer zur mexikanischen Grenze fallen.

Doch dann vollzog Trump auf Druck konservativer Kommentatoren eine 180-Grad-Kehrtwende. Der Shutdown kam - und geht inzwischen in seine dritte Woche, ohne dass eine Lösung näherrückt. Jetzt droht Trump sogar damit, einen nationalen Notstand auszurufen, um Mittel für die Mauer zu bekommen.

Trumps Wankelmut hängt jetzt aber über noch viel folgenschwereren Verhandlungen: Eine US-Delegation ist diesen Montag erstmals seit langer Zeit wieder in Peking, um einen Weg zu finden, Trumps Handelskrieg mit China beizulegen. Beide Seiten tun stark, gehen aber geschwächt in die neue Runde - zumal keiner weiß, ob Trump wieder mal dazwischenfunkt.

"Die China-Gespräche laufen sehr gut", prophezeite der am Sonntag, obwohl es seit Monaten nur fernmündliche Kontakte gegeben hat, zuletzt ein Telefonat Trumps mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping kurz vor dem Jahreswechsel. "Gute Dinge werden geschehen."

Trump hatte die Konfrontation angezettelt, indem er Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 250 Milliarden Dollar verhängte. China revanchierte sich mit Zöllen auf 110 Milliarden Dollar US-Waren.

Noch gilt ein vorläufiger Waffenstillstand

Bei einem Dinner am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires schlossen Trump und Xi im Dezember einen vorläufigen Waffenstillstand. Finden sie bis 2. März jedoch keine Lösung, sollen die US-Zölle noch mal weiter ansteigen - was für alle dramatische Folgen haben könnte.

Xi und Trump beim G20-Gipfel in Argentinien

Xi und Trump beim G20-Gipfel in Argentinien

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Die Verhandlungen in Peking, die mindestens bis Dienstag dauern sollen, sind das erste Treffen der Experten seitdem. Das bewegt diese Woche vor allem die wackligen US-Börsen: "China wird die absolut größte Sache", sagte Börsenstratege Julian Emanuel von der Finanzfirma BTIG im Wirtschaftssender CNBC.

Dabei schickt Trump zunächst nur die dritte Garde nach Peking. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin bleiben zu Hause und lassen sich von Lighthizer-Vize Jeffrey Gerrish und Staatssekretär David Malpass vertreten.

Beobachter erwarten zunächst denn auch keine wirklich konkreten Fortschritte. Auch können die Handelsexperten Trumps Störungen nur bedingt ausblenden. Selbst wenn diese mit den ökonomischen Realitäten oft nur wenig zu tun haben. "Wir nehmen viele Milliarden Dollar an Strafzöllen von China und anderen ein", prahlte Trump zum Beispiel am Freitag, als würden die Zölle direkt in die US-Staatskasse fließen und nicht den betroffenen Firmen und den Verbrauchern zu Lasten gehen.

Unternehmen auf beiden Seiten ächzen

Sowohl in den USA wie in China werden die Folgen des Handelskriegs immer spürbarer. In den USA hat der Handelskrieg die Preise nach Angaben der Federal Reserve Bank bereits um 0,3 Prozentpunkte ansteigen lassen. Apple begründete seine jüngste Umsatzwarnung nicht zuletzt auch mit den "Handelsspannungen" und dem sinkendem Absatz von iPhones, Macs und iPads in China. Die US-Börsen reagierten mit wilden Schwüngen: Sie schlossen vorige Woche auch dank guter Arbeitsmarktzahlen zwar im Plus, liegen aber weiter unter den Werten von noch vor einem Jahr.

Denn im Gegensatz zu Trumps Behauptungen beginnt nun auch die restliche US-Wirtschaft zu leiden - vor allem Konzerne, die auf Stahl- und Alu-Importe angewiesen sind. Das hat sich natürlich längst bis nach China herumgesprochen und gibt Peking ein Druckmittel gegen Trump. Zumal auch Chinas Wirtschaft unter dem Handelskrieg ächzt: Erstmals seit zwei Jahren schrumpft seine Industrie - und das schneller als erwartet.

Doch während Trump kurzsichtig agiert, gelten Pekings Unterhändler als extrem gut vorbereitet, mit langem Blick auf die Zukunft. "China ist bereit, viel größere wirtschaftliche Schmerzen zu ertragen als Trump", schreibt Chuck Jones, der Gründer der Researchfirma Sand Hill Insights, im Magazine "Forbes". Auch sei sich China der vielen innenpolitischen Herausforderungen Trumps bewusst, von den erstarkten Demokraten bis hin zum Russland-Sonderermittler Robert Mueller.

Mehr noch: China wisse, dass Trump "von seinem Image besessen" sei - und dass seine Entsandten "nicht wirklich für ihn sprechen", da er "seine Meinung im letzten Moment (und mehrmals) ändern könnte". Denn der nächste Tweet kommt bestimmt.

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