Handwerksverband Die seltsamen Geschäfte des Dieter Philipp

Am Rande der Legalität operierte Handwerkspräses Dieter Philipp beim Rettungsversuch des hauseigenen Internetportals Handwerk.de. Für Irritationen sorgt auch Philipps Tätigkeit als Verlagsmanager.

Von Martin Scheele


Nebentätigkeit mit Geschmäckle: Dieter Philipp
DDP

Nebentätigkeit mit Geschmäckle: Dieter Philipp

Aachen/Berlin - Dieter Philipp ist vielen bekannt als Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Außerdem führt der gelernte Malermeister auch seinen Familienbetrieb, die Emil Philipp GmbH, die Handwerkskammer Aachen und - was den wenigsten bekannt ist - er leitet einen Verlag.

Der in den letzten Monaten wegen der Pleite des Internetportals Handwerk.de häufig gescholtene ZDH-Präsident ist nach Informationen von manager-magazin.de am Aachener Verlag Wirtschaft und Bildung GmbH & Co. KG (VWB) beteiligt. Dieser Verlag wiederum ist 50-Prozent-Gesellschafter der Marketing Handwerk GmbH. Die Marketing Handwerk GmbH gilt als die übergeordnete Werbeabteilung des ZDH, über sie laufen alle wichtigen Kampagnen der Handwerksorganisation.

Dieter Philipp und der Generalsekretär des Verbands, Hanns-Eberhard Schleyer, halten die geschäftliche Verbindung für unproblematisch. Schleyer erklärt stellvertretend für Philipp auf Nachfrage, dass eventuell entstehende Überschüsse oder Gewinne der Marketing Handwerk GmbH nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern zur Finanzierung neuer Projekte wie der Kampagne "Meister wissen, wie's geht" verwandt werden.

Keine Gewinnausschüttung, aber Aufwandsentschädigung

Philipp weist in einem Interview mit dem "BackJournal", dessen aktuelle Ausgabe am Donnerstag erscheint, darauf hin, dass er nur Aufwandsentschädigungen erhalte, kein Gehalt. Der ZDH-Präsident erklärt sein Engagement bei der VWB mit der Tradition der Handwerkskammer Aachen. Auch sein Vorgänger bei der Handwerkskammer Aachen sei an der VWB beteiligt gewesen. "Die Handwerkskammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts darf nicht mehr als 50 Prozent an einem solchen Unternehmen halten." Und weiter heißt es: "Ich habe bei der Übernahme der Anteile klargestellt, dass ich sie wieder abgeben werde, wenn ich das Amt des Präsidenten der Handwerkskammer abgebe." Dem ZDH-Präsidium sei sein VWB-Engagement bekannt.

In der Handwerksorganisation rumort es aber wegen Philipps Geschäften gewaltig. Richtig aus der Deckung wagt sich allerdings kein Kammerpräsident. Ein Hauptgeschäftsführer einer großen Handwerkskammer sagt: "Das ist eine Stilfrage". Ein Handwerkskammerpräsident, der nicht genannt werden möchte, fordert personelle Konsequenzen.

Bürgschaftserklärung abgegeben

Für große Verwunderung sorgt in Handwerkskreisen auch Philipps und Schleyers Vorgehen bei der versuchten Rettung des mittlerweile insolventen Internetportals Handwerk.de. Das Duo hat 950.000 Euro, das von der ZDH-Vollversammlung für den Kauf von Handwerk.de-Aktien vorgesehen war, als Darlehen für die schlingernde Gesellschaft verwandt. Das bestätigt Philipp in dem "BackJournal"-Interview.

Auf der ZDH-Präsidiumssitzung am vergangenen Mittwoch und Donnerstag war es wegen des Vorgehens zu einer hitzigen Aussprache gekommen. Zu einem Zerwürfnis innerhalb des Präsidiums kam es allerdings nicht. Das Verhalten von Philipp und Schleyer wurde nachträglich gebilligt. Gleichwohl hatte ein Handwerkskammerpräsident gegenüber manager-magazin.de das Verhalten der ZDH-Oberen als "ein Fall für den Staatsanwalt" bezeichnet.

Philipps und Schleyers brisante Vorgehen wird dadurch etwas entschärft, als dass beide Spitzenfunktionäre zur Sicherung des Kredits eine persönliche Bürgschaftserklärung abgegeben haben. Dies bestätigt Philipp im Interview mit dem "BackJournal". Ob Schleyers und Philipps Vorgehen mit der Satzung und Beschlüssen in Einklang zu bringen ist, ist juristisch strittig. Die Rechnungsprüfer des ZDH sind allerdings nach Informationen von manager-magazin.de der Meinung, dass es strafrechtlich nicht relevant ist.



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