Handy-Allianz Microsofts neue Kampfansage

Microsoft will Nokia und dessen Konsortium Symbian den Markt für Handy-Betriebssysteme nicht kampflos überlassen. Gemeinsam mit Motorola bringt der Softwareriese ab Oktober ein neues Smartphone auf den Markt - auch in Deutschland.

Von Carsten Matthäus


Windows inside: Motorola MPx200

Windows inside: Motorola MPx200

München - Das neue Handy mit den Namen MPx200 soll zunächst in den USA über AT&T und in Großbritannien über die France-Télécom-Tochter Orange vermarktet werden. In Deutschland soll das Gerät mit der Software "Windows Mobile Smartphone 2002" ab Oktober von debitel angeboten werden.

Das Gerät unterscheidet sich äußerlich nicht von Geräten, die Panasonic oder Samsung hier längst in Umlauf gebracht haben. Auf dem Bildschirm aber soll all das im Taschenformat auftauchen, was man vom PC her kennt: Explorer, Media Player und Outlook sind bereits installiert.

Der Software-Riese versucht schon seit einiger Zeit, die Dominanz bei PC-Software auch auf den Mobilfunk-Bereich auszuweiten. Die bisherigen Startversuche verliefen allerdings ziemlich kläglich. In Großbritannien, wo Orange seit einem Jahr ein Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem anbietet, konnten bisher erst knapp 100.000 Geräte verkauft werden. Zum Vergleich: Weltweit gingen in dieser Zeit rund 500 Millionen Handys über den Ladentisch.

Neues Motorola-Handy: Kein auffäliges Design

Neues Motorola-Handy: Kein auffäliges Design

In Deutschland konnte Microsoft bisher überhaupt nicht landen. Partner T-Mobile stoppte das Projekt, weil das Gerät den technischen Anforderungen deutscher Handy-Nutzer angeblich nicht gerecht wurde. "Mit T-Mobile haben wir eine sehr enge Kooperation. Unsere Partner bestimmen wann sie welches Gerät für welche Zielgruppe auf den Markt bringen", sagt Thomas Aufermann, der in Deutschland dafür verantwortlich ist, das möglichst viele Handys künftig mit Microsoft-Betriebssystem arbeiten. Er weist nachdrücklich auf den unbeirrbaren Willen seines Unternehmens hin, auch in diesem Gebiet die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen: "Wir haben eine Strategie, die wir mindestens fünf Jahre lang verfolgen werden".

Aufermann ist klar, dass die Einbindung von Handys in die Software-Welt von Microsoft für den Konzern von entscheidender Bedeutung ist: "In der .Net-Strategie von Microsoft sind Smartphones der fehlende Mosaikstein zur mobilen Kommunikation, wenn man einmal von den Notebooks absieht". Mit .Net ist das Vorhaben der Microsoft-Führung gemeint, künftig alle elektronischen Geräte über eine gemeinsam Software-Plattform - natürlich Windows - zu steuern.

Hauptgegner im Mobilfunkbereich ist das Konsortium Symbian, zu dem sich die Handyhersteller Nokia, Sony-Ericsson, Siemens, Samsung, Panasonic und der Kleincomputer-Fabrikant Psion zusammengeschlossen haben. Bei den so gennanten Smartphones, also den Handys, die über das Telefonieren hinaus auch mobile Datendienste wie E-Mail-Versand, Terminabgleich und Internet-Zugang bieten, dominiert Symbian derzeit klar den Markt. Im ersten Quartal 2003 lag der Marktanteil des Konsortiums nach Angaben von canalys.com in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) bei 93 Prozent.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.