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04. Juli 2008, 17:36 Uhr

Handymisere

BenQ-Insolvenzverwalter will gegen Siemens klagen

Der Industriekonzern Siemens bekommt neuen Ärger wegen seiner früheren Handysparte. Der Insolvenzverwalter von BenQ Mobile bereitet laut Presseberichten eine Klage vor. Der Vorwurf: Bewertungsfehler bei der Übergabe von Siemens an BenQ.

München - Siemens droht nach dem Korruptionsskandal und dem Wirbel um den Abbau Tausender Jobs jetzt auch noch Ärger wegen der Pleite seiner früheren Handy-Sparte. Der Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Handyherstellers BenQ Mobile, Martin Prager, bereitet dem Vernehmen nach eine Klage gegen den früheren Mutterkonzern vor.

Ehemaliges BenQ-Werk in Kamp-Lintfort: Der Insolvenzverwalter fordert eine dreistellige Millionensumme
AP

Ehemaliges BenQ-Werk in Kamp-Lintfort: Der Insolvenzverwalter fordert eine dreistellige Millionensumme

Nach übereinstimmenden Berichten der "Welt" und der "Süddeutschen Zeitung" geht es um eine dreistellige Millionensumme. Eine Sprecherin Pragers wollte sich zu den Berichten nicht äußern. "Ich kann das weder bestätigen noch dementieren", sagte sie. Prager habe aber immer deutlich gemacht, dass er mögliche Ansprüche prüfe.

Hintergrund der Klage sind den Berichten zufolge offene Bewertungsfragen. Prager vermute offenbar, dass es bei der Abgabe der Handysparte von Siemens an BenQ Bewertungsfehler gegeben habe. Genaue Informationen werde Prager dem Gläubigerausschuss am kommenden Mittwoch vorstellen, hieß es in der "Welt".

In der "Süddeutschen Zeitung" sagte Insolvenzverwalter Prager, die ehemalige Siemens-Handysparte sei bereits mehrere Monate vor dem Insolvenzvertrag zahlungsunfähig gewesen. BenQ Mobile hatte Ende September 2006 offiziell Insolvenz angemeldet. "Ich bin nach eingehender Untersuchung sicher, dass BenQ Mobile mindestens schon am 1. Mai zahlungsunfähig war", zitiert das Blatt Prager. "Unsere Unterlagen sprechen eine deutliche Sprache. Wir haben viele Argumente auf unserer Seite."

Siemens wollte den Vorgang nicht kommentieren. "Bei uns ist keine Klage eingegangen. Alles andere ist Spekulation", sagte eine Sprecherin.

Prager hatte die Forderungen gegen Siemens in einem früheren Insolvenzgutachten kurz nach der Pleite auf rund 100 Millionen Euro beziffert und erklärt, es seien im Zusammenhang mit dem Ausgliederungsvertrag an den früheren taiwanesischen BenQ-Konzern eine Reihe von Bewertungsfragen offen. Die Gespräche zwischen Prager und Siemens waren dem Bericht zufolge zuletzt ins Stocken geraten.

Die frühere BenQ Corp., die heute unter dem Namen Qisda firmiert, hatte die verlustreiche Handy-Sparte 2005 von Siemens übernommen, dem Unternehmen dann aber den Geldhahn abgedreht und die deutsche Tochter damit in die Pleite geschickt. Mehr als 3000 Beschäftigte in Deutschland verloren dadurch ihre Jobs.

wal/dpa

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