Harte Börsenzeiten Der Sturz der Dax-Ikonen

Siemens, Daimler, Deutsche Bank - Die Großen im Dax büßen ihre Gewinne ein und kappen die Ziele für dieses Jahr. Die Gründe mögen verschieden sein, doch die Diagnose ist dieselbe: Anlegern stehen harte Zeiten bevor.

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Hamburg - Geschafft! Zum Wochenausklang hat der Dax Chart zeigen wieder die 7000-Punkte-Marke überschritten, ja sogar regelrechte Kurssprünge verzeichnet. Frühling an der Börse?

Von wegen. Der Optimismus ist überwiegend importiert, ausgerechnet aus den USA. Dort sind die Arbeitsmarktdaten wesentlich besser ausgefallen als befürchtet. Und die Wirtschaft ist im ersten Quartal doch noch ein bisschen gewachsen. Die Notenbank hat den Leitzins daraufhin zwar trotzdem abermals gesenkt, gleichzeitig aber auf einen Hinweis auf mögliche weitere Schritte verzichtet. Der Dollar-Kurs Chart zeigen erholt sich auch etwas von seinem Absturz.

Bei den deutschen Unternehmen hingegen sieht es finster aus. Die Konzerne nehmen fast durchweg ihre Prognosen für die zukünftige Gewinnentwicklung zurück - eine neue Entwicklung nach jahrelanger Rekordjagd.

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Beispiel Siemens Chart zeigen: Der größte deutsche Industriekonzern hat im abgelaufenen Vierteljahr einen um zwei Drittel niedrigeren Nettogewinn ausgewiesen als ein Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis fiel von rund 1,8 Milliarden auf 1,2 Milliarden Euro. Als Hauptgrund nannte der Konzern eine Neubewertung mehrerer Großprojekte, die auf der Kippe stehen, vor allem in der Kraftwerks- und der Bahntechniksparte. Beide Bereiche rutschten in die roten Zahlen.

Die Aktie legte dennoch deutlich zu. Die Anleger waren schon froh, dass nicht noch mehr als die angekündigten Belastungen von knapp 900 Millionen Euro aus schwierigen Projekten aufgetaucht sind. Langfristig sieht es aber bestenfalls mau aus. Bis März galt noch die Formel, dass der Gewinn doppelt so schnell wachsen soll wie der Umsatz. Jetzt rechnet Konzernchef Peter Löscher nur noch mit Erträgen auf dem Niveau des Vorjahres. Darin sind Sonderbelastungen aus der Korruptionsaffäre und dem Konzernumbau noch nicht eingerechnet, doch die können durchaus in die Milliarden gehen. Ein weiteres Rekordjahr ist für Siemens also praktisch ausgeschlossen.

Beispiel Daimler Chart zeigen: Das Symbol der deutschen Autoindustrie brachte es im Quartal auf einen Betriebsgewinn von knapp zwei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Rekordergebnis ein Jahr zuvor ein empfindlicher Einbruch. Der Reingewinn sank um ein Drittel. Ein Teil der Belastung geht auf die verbleibende 20-prozentige Beteiligung an der Ex-US-Tochter Chrysler zurück. Der Konzern leidet jedoch auch unter dem starken Euro, dem schleppenden Absatz in den USA und teuren Rohstoffen.

Noch hält Daimler an dem Ziel fest, in diesem Jahr deutlich mehr zu verdienen als 2007. Ein Eingeständnis, dass nicht alles so glatt läuft wie geplant, gibt es dennoch: Die Absatzprognose, dass abermals deutlich mehr Autos verkauft werden sollen als im Vorjahr, wurde zurückgenommen.

Ähnlich sieht es bei der Münchner Konkurrenz BMW Chart zeigen aus. Der Betriebsgewinn brach um ein Viertel ein, auch wegen Absatzsorgen in den USA. Der Konzern will weiterhin das Vorjahresergebnis übertreffen, hat aber schon seine Risikovorsorge erhöht - auch das kostet.

Beispiel Deutsche Bank Chart zeigen: Das größte Kreditinstitut im Land musste im ersten Quartal 2,7 Milliarden Euro an Wertpapieren abschreiben und unterm Strich einen Verlust verbuchen, zum ersten Mal seit fünf Jahren. Der fiel mit 141 Millionen Euro moderater aus als befürchtet. Positive Steuereffekte und massive Aktienverkäufe - vor allem von Dax-Konzernen wie Daimler, Allianz Chart zeigen und Linde Chart zeigen - halfen dabei, das Minus in Grenzen zu halten. Bankchef Josef Ackermann verwies auf "die Lage an den Finanzmärkten", die "so schwierig wie noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte" gewesen sei.

Ein Gewinnziel wagt die Bank überhaupt nicht mehr. Bis März wollte sie noch vor Steuern und ohne Sondereffekte 8,4 Milliarden Euro verdienen. Dann wurde aus dem Ziel eine "Vision", und jetzt hält man sich lieber bedeckt.

Auch Dax-Schwergewicht Allianz leidet stärker unter der Finanzkrise als bislang zugegeben. Der Konzerngewinn brach um rund zwei Drittel ein, vor allem, weil die Tochter Dresdner Bank weitere 900 Millionen Euro abschreiben musste. Das erzwang eine vorzeitige Meldung des Quartalsergebnisses. Noch hält die Allianz an ihrem Gewinnziel für 2009 fest, rudert aber schon verbal zurück: Man halte das Ziel für "erreichbar, auch wenn dies umso schwieriger wird, je länger die Finanzmarktkrise andauert", so Vorstand Helmut Perlet.

Alles nur Einzelfälle?

Jeder der Konzerne konnte plausible Gründe nennen, warum es zwischen Januar und März 2008 doch nicht so geklappt hat wie erhofft, und warum man für die Zukunft vorsichtig sein muss. Auf den ersten Blick sind diese Gründe denkbar verschieden. Doch die Zeichen sind deutlich, dass es sich um eine Trendwende handelt, dass sich die Elite der deutschen Wirtschaft auf insgesamt abnehmende Gewinne einstellen muss. Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank Chart zeigen hat ermittelt, dass die Gewinnerwartungen von 23 der 30 Dax-Konzerne auf dem absteigenden Ast sind. Nur bei Linde Chart zeigen, Merck Chart zeigen, MAN Chart zeigen, BASF Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen, Deutscher Börse Chart zeigen und SAP Chart zeigen hat der für 2008 erwartete Gewinn im Quartals- und Jahresvergleich zugelegt.

Seit Beginn der Finanzkrise vor knapp einem Jahr sind die Erwartungen für die Gewinne deutscher Banken nach Hürkamps Berechnung um 24 Prozent eingebrochen. In diesem Jahr folgten auch andere Branchen dem Abwärtstrend. Vor allem für Industriegüterhersteller ging es steil nach unten, doch auch Autohersteller, Versicherungen und sogar Versorger folgen. Nur die krisenfeste Chemiebranche empfiehlt sich bislang noch als sicherer Hafen. Im Dax-Durchschnitt, hat Hürkamp errechnet, sind die Gewinnerwartungen innerhalb eines Vierteljahres um fünf Prozent zurückgegangen.

Im Vergleich zu den US-Aktien im S&P 500 (minus sieben Prozent) und dem europaweiten Stoxx 50 Chart zeigen (minus 8,2 Prozent) schlägt sich der deutsche Leitindex noch wacker. Doch der Trend ist klar, und stützt nach Hürkamps Ansicht das Szenario eines kommenden Bärenmarkts.

Denn die erwarteten Gewinne sind neben dem Aktienkurs die entscheidende Variable bei der Bewertung, ob eine Aktie günstig oder teuer ist. Viele Anleger beruhigen sich damit, dass der Dax mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 bis 12 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegt - formal gesehen wäre das ein Kaufsignal. Doch wenn die Gewinnprognosen abnehmen, nimmt der Bewertungsindikator ebenso schnell zu. Wenn sich der Trend fortsetzt, können aus günstigen Aktien schnell überteuerte werden - selbst, wenn sich am Kursniveau nicht viel ändert.



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