Hauptversammlung Daimler will in Schwellenländern wachsen

Ohne Chrysler blüht Daimler auf: Der Stuttgarter Autobauer hat seinen Aktionären auf der Hauptversammlung weiteres Wachstum und eine höhere Dividende in Aussicht gestellt. Das Geschäft in den USA und Europa werde zwar schwächeln - nicht jedoch in den Schwellenländern.


Berlin - Die Stuttgarter trauern Chrysler nicht wirklich nach: "Daimler hatte einen guten Start", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. Im ersten Jahr nach der Trennung von der defizitären US-Sparte Chrysler erwarte der Konzern Zuwächse bei Absatz und Ergebnis. Die 5400 Aktionäre, die knapp 42 Prozent des Grundkapitals repräsentieren, zeigten sich über die Entwicklung des Konzerns nach der Trennung von Chrysler zufrieden.

Dieter Zetsche: Daimler gegen US-Abschwung gewappnet
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Dieter Zetsche: Daimler gegen US-Abschwung gewappnet

Als eine der größten Herausforderungen der Zukunft nannte Zetsche die amerikanische Kreditkrise: Sie würde ebenso wie die Dollarschwäche Spuren im laufenden Geschäftsjahr hinterlassen. Auch die weltwirtschaftliche Entwicklung und die Rohstoffpreise machten Zetsche Sorgen. "Aktuell lässt die ökonomische Großwetterlage eher Gegen- als Rückenwind erwarten", sagte er. Wegen des Aufschwungs der Schwellenländer rechne er aber mit einem Plus von zwei Prozent im weltweiten Automarkt. Dieser werde 2008 um rund zwei Prozent wachsen, sagte Zetsche voraus.

Dennoch beschwor Zetsche eine rosige Zukunft: Der Konzern setze dabei auf gute Geschäfte in den Schwellenländern. Vor allem vom Boom in China, Russland, Indien und Brasilien wolle Daimler profitieren. Der Gewinn werde 2008 vor Zinsen und Steuern (Ebit) deutlich über dem Niveau des Vorjahres liegen. Damals hatte Daimler den Rekordwert von 8,7 Milliarden Euro erzielt, davon etwa eine Milliarde Euro durch Sondereffekte.

Auch bei seiner mittelfristigen Profitabilität hält der Dax-Konzern an seinen Zielen fest. Das Autogeschäft soll den Angaben zufolge ab 2010 eine Umsatzrendite von neun Prozent erzielen, Mercedes-Benz Cars soll ab 2010 eine Umsatzrendite von zehn Prozent erwirtschaften. Dafür investiere das Stuttgarter Unternehmen in die Forschung und Entwicklung. Bis 2010 will der Konzern insgesamt nahezu 14 Milliarden Euro ausgeben. Im vergangenen Jahr lagen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei 4,1 Milliarden Euro.

"Wir sind gut gewappnet, um den aktuellen gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen", sagte Zetsche. Daimler habe sich für 2008 bereits zu rund 80 Prozent gegen Währungsrisiken abgesichert. Die Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werde nicht spurlos vorbeigehen, die Auto-Nachfrage in den USA voraussichtlich abnehmen, in Westeuropa stagnieren. Daimler strebe bis 2010 im Pkw- und Lkw-Geschäft eine Umsatzrendite von neun Prozent an. Die Pkw-Gruppe um Mercedes-Benz und Smart solle sogar zehn Prozent erwirtschaften. Bei Lastwagen sollen es acht Prozent werden.

Daimler hält an Chrysler und EADS fest

Auf der Hauptversammlung beteuerte Zetsche zudem, an den Anteilen der einst defizitären Tochter Chrysler festhalten zu wollen. "Hier setzen wir auch nach der Trennung die Zusammenarbeit bei Projekten fort." Ein Verkauf der verbliebenen Beteiligung sei derzeit nicht geplant.

Daimler hatte die Mehrheit an der schwächelnden US-Tochter im vergangenen Jahr an den Finanzinvestor Cerberus verkauft und ist noch mit knapp 20 Prozent beteiligt. Aktionärsschützer nannten das Aus der deutsch-amerikanischen Auto-Ehe als richtigen, aber auch dringend notwendigen Schritt. Daimler müsse nun einen globalen Masterplan für die künftige Unternehmensstrategie vorlegen.

Ebenfalls festhalten will Zetsche an EADS: Eine Reduzierung des Anteils an dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern von derzeit 15 Prozent sei auch nach Auslaufen des Aktionärspakts mit dem zweiten EADS-Großaktionär Lagardère Mitte 2010 nicht geplant. "Wir glauben, dass EADS noch erhebliches Wertsteigerungspotenzial hat", sagte Zetsche.

Vorwürfe, Daimler sei in Insidergeschäfte bei EADS verwickelt, wies der Vorstandschef zurück. Die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. Die französische Börsenaufsicht untersucht derzeit, ob Daimler beim Verkauf von Aktien im April 2006 von Insiderwissen über die damals noch nicht bekannten Produktionsprobleme beim Riesen-Airbus A380 profitiert hatte.

mik/sil/Reuters/dpa-AFX



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