Hauptversammlung SAP gibt Andersen den Laufpass

SAP sorgte auf seiner diesjährigen Hauptversammlung für eine Überraschung. Trotz früherer Solidaritätsbekundungen hat der Walldorfer Softwarekonzern seinen Abschlussprüfer Andersen nach Kritik von Aktionären fallen gelassen.


Hat angeblich keine Angst vor Microsoft: Hasso Plattner
DDP

Hat angeblich keine Angst vor Microsoft: Hasso Plattner

Mannheim - SAP-Aufsichtsratschef Dietmar Hopp sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Mannheim, das Aufsichtsgremium habe seinen ursprünglichen Beschluss revidiert, nachdem sich der Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen in Deutschland gegen eine Fusion mit KPMG und für Ernst & Young entschieden habe.

Andersen verliert damit seinen einzigen Kunden unter den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Der Wirtschaftsprüfer hatte die Konzernabschlüsse von SAP in den vergangenen sieben Jahren geprüft. Als Andersen nach dem Prüfungsskandal um den US-Energieriesen Enron in die Kritik geriet, hatte sich SAP noch hinter die Wirtschaftsprüfer gestellt. Hopp sagte nun, der internationale Verbund des US-Konzerns sei stärker zersplittert worden als erwartet. Andersen und Ernst & Young erhofften sich durch ihr Zusammengehen mehr Mandate unter Großunternehmen. KPMG prüft hierzulande die meisten Dax-Firmen. Kleinaktionäre hatten das Festhalten an Andersen kritisiert.

Plattner: Keine Angst vor Microsoft

Plattner spielte die zuletzt an der Börse kursierenden Befürchtungen herunter, der US-Softwareriese Microsoft Chart zeigen könnte SAP mit der bevorstehenden Übernahme des dänischen Softwarehauses Navision Marktanteile vor allem im Mittelstand abjagen. "Wir sind gut gerüstet", sagte er. SAP hatte den Mittelstand erst kürzlich als neue Zielgruppe entdeckt. Der Aktienkurs Chart zeigen war am Donnerstag nach Bekannt werden der Microsoft-Pläne um mehr als 6,5 Prozent gefallen. Am Freitag setzte die Aktie im frühen Handel die Tendenz zunächst fort und fiel auf ein Jahrestief bei 129,72 Euro, erholte sich im Verlauf aber wieder ein wenig.

Microsoft zeige mit diesem Schritt zwar seinen Willen, alle Bereiche betriebswirtschaftlicher Planungssoftware abzudecken, sagte Plattner. Dass der US-Softwarekonzern kurz nach Great Plains erneut eine Firma aus diesem Bereich erwerben wolle, zeuge jedoch von mangelnder Marktkenntnis. Er zweifle daran, ob die Produkte von Navision mit denen von Great Plains zusammenpassten. "Wir nehmen das sehr ernst, ohne vor dem Riesen Microsoft Angst zu haben", so Plattner.

Absatz kommt nur schleppend in Gang

Auf seinem Weg, seine Umsatz- und Ertragsziele zu erreichen, kann SAP nach Einschätzung von Vorstand Henning Kagermanns zunächst nicht auf einen Aufschwung bauen. Zwar erwarte SAP eine weltweiten Belebung, doch zögen die Erlöse aus Softwarelizenzen gewöhnlich erst mit einigen Monaten Verzögerung an, sagte er vor 5500 Aktionären. 2002 werde erneut ein "herausforderndes Jahr". Unabhängig davon seien die lukrativen Lizenzumsätze in der zweiten Jahreshälfte gewöhnlich höher als in der ersten. Deshalb halte SAP an dem Plan fest, den Umsatz 2002 um rund 15 Prozent auszubauen. Dies entspräche mehr als 8,4 (2001: 7,341) Milliarden Euro.

Niedrigere Kosten sollten die um Aktienoptionsprogramme und um Akquisitionskosten bereinigte operative Gewinnmarge bis Ende des Jahres auf mindestens 21 (20) Prozent steigen lassen. "Dabei geht SAP davon aus, dass der Umfang der Margenverbesserung im zweiten Halbjahr deutlich sichtbarer wird", fügte Kagermann hinzu. Die Rendite hatte im ersten Quartal nur bei 14 Prozent gelegen. Mittelfristig nehme SAP die Marke von 25 Prozent ins Visier, so der Vorstand.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.