Haushaltskrise Libyen feuert 400.000 Staatsangestellte

Die Regierung Libyens greift durch, um ihre Finanznot in den Griff zu bekommen: 400.000 Menschen sollen entlassen werden – ein Drittel aller staatliche Beschäftigten.


Tripolis – Ministerpräsident Al-Baghdadi Ali Al-Mahmudi sagte, mit der Maßnahme solle der Druck auf den Staatshaushalt gemindert werden. Zugleich werde diese Weise der private Sektor "neue Wachstumsimpulse erhalten", behauptete er.

In den vergangenen Jahren war die Belegschaft des libyschen Staates auf mehr als eine Million Menschen angewachsen. Für ihre Gehälter müssten bis zu vier Milliarden Dinar (rund 2,4 Milliarden Euro) aufgebracht werden, sagte der Regierungschef bei der Vorlage des neuen Staatshaushaltes.

Al-Mahmudi betonte, die Betroffenen würden weiter staatliche Unterstützung erhalten. Die Gehälter würden für drei Jahre weitergezahlt. Alternativ werde der Staat 50.000 Dinar Kredit an jeden Ex-Beschäftigten geben, der seine eigene Firma gründen wolle. So sollten "produktive Tätigkeiten" gefördert werden.

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi hat wiederholt kritisiert, sein Land sei wirtschaftlich zu stark vom Ölgeschäft abhängig. Fast alle Deviseneinnahmen des Landes stammen aus dem Ölexport. Der Ölpreis an den Weltmärkten ist in den vergangenen Wochen auf hohem Niveau deutlich gefallen.

Die libysche Wirtschaft leidet seit Jahren unter Sanktionen der internationalen Gemeinschaft, Korruption, Bürokratie und der Unterentwicklung des Bankensystems. Die Arbeitslosenquote beträgt je nach Berechnungsweise mindestens 13 Prozent.

itz/Reuters



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