Sturmgewehre und andere Handfeuerwaffen Rüstungsfirma Heckler & Koch mit deutlich mehr Gewinn

Die Schwarzwälder Firma Heckler & Koch konnte 40 Prozent mehr erwirtschaften als im Vorjahr. Dabei schlagen kriegsbedingte Nachbestellungen noch gar nicht zu Buche.
Heckler & Koch: Sturmgewehr vom Typ HK433

Heckler & Koch: Sturmgewehr vom Typ HK433

Foto: Marijan Murat/ DPA

Mit Sturmgewehren und anderen Handfeuerwaffen hat die Rüstungsfirma Heckler & Koch deutlich mehr Geschäft gemacht und ihren Gewinn gesteigert. Der Umsatz sei im ersten Halbjahr um rund neun Prozent auf 156,1 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen in Oberndorf bei seiner Hauptversammlung mit. Der Gewinn schnellte sogar um rund 40 Prozent auf 16 Millionen Euro in die Höhe.

Als einen Grund für die besseren Zahlen nannte Vorstandschef Jens Bodo Koch effizientere Arbeitsabläufe. In der zweiten Jahreshälfte werde sich das Wachstum aber wegen gestiegener Rohstoffkosten »normalisieren«.

Nachbestellungen aus Nord- und Osteuropa

Wie auch bei anderen Waffenherstellern sorgten die Folgen des Ukrainekriegs für zusätzliche Bestellungen bei der Schwarzwälder Firma. Bestandskunden aus Nord- und Osteuropa hätten seit Februar nachbestellt, sagte Koch und nannte dabei keine Ländernamen. Bekannt ist aber, dass Heckler & Koch Sturmgewehr-Rahmenverträge mit Norwegen, Litauen und Lettland hat.

Allerdings: Kriegsbedingte Nachbestellungen machen sich im Umsatz frühestens im Herbst bemerkbar.

So gut wie sicher hat das Unternehmen inzwischen einen Großauftrag des Bundes über 120.000 Sturmgewehre eines neuen Modells, welches die G36 ersetzen soll. Nach einem Rechtsstreit zog Konkurrent C. G. Haenel den Kürzeren. Damit Heckler & Koch den Auftrag bekommt, fehlt noch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags – dass die kommt, ist sehr wahrscheinlich.

Nach einer Produktion von Testwaffen und einer dann folgenden Erprobungsphase in der Truppe wird die Auslieferung der ersten serienmäßig hergestellten neuen Sturmgewehre Ende 2024 erwartet. Die schrittweise Einführung wird mehrere Jahre dauern.

Heckler & Koch ist der größte deutsche Hersteller von sogenannten Kleinwaffen – damit gemeint sind Waffen, die man allein tragen kann, also Sturmgewehre, Maschinengewehre, Pistolen und Granatwerfer. Zu den Konkurrenten gehören neben C. G. Haenel aus Thüringen Beretta aus Italien, Sig Sauer aus den USA, FN Herstal aus Belgien und das tschechische Unternehmen CZG, das 2021 die US-Firma Colt übernahm.

Rechtsstreit um Stimmrechte

Auf der Hauptversammlung gab es aber auch Misserfolgsmeldungen. Das Landgericht Stuttgart gab nämlich ebenfalls am Mittwoch eine Entscheidung bekannt, dass Hauptversammlungsbeschlüsse der Firma aus dem Jahr 2021 für nichtig erklärt worden seien. Geklagt hatte der Ex-Großaktionär Andreas Heeschen. Er hatte nach einem Aktionärstreff 2020 einen Sitz im Aufsichtsrat eingebüßt, weil der neue Mehrheitsaktionär – die Luxemburger Finanzholding CDE – das so wollte.

Heeschen war aber der Ansicht, dass die Stimmrechte noch gar nicht übertragen worden waren. Er legte Rechtsmittel ein. 2021 ließ die Firma die umstrittene Entscheidung der Hauptversammlung von 2020 bestätigen. Diese Bestätigung erklärte das Stuttgarter Landgericht nun für ungültig.

Seine Entscheidung begründete das Gericht mit Blick auf neue Stimmrechtsmitteilungen, die Ende Juni im Bundesanzeiger veröffentlicht worden waren und denen zufolge es weitere mittelbare Mehrheitsbeteiligungen gibt. Genannt werden in der Bundesanzeiger-Mitteilung der französische Investor Nicolas Walewski, ein auf Barbados lebender Landsmann und eine Bank von der karibischen Insel. Alle drei Parteien sind mit der bereits bekannten Mehrheitsaktionärin, der CDE, verwoben. Das Gericht kritisierte, dass die Nennung erst jetzt erfolgte und nicht schon damals, und sah darin einen »Rechtsverlust« – die CDE hätte 2021 nicht zur Ausübung der Stimmrechtsmehrheit zugelassen werden dürfen.

Das Stuttgarter Gerichtsverfahren gehört gewissermaßen zu den Nachwehen des erbittert geführten Machtkampfes zwischen Heeschen und Walewski – eine Auseinandersetzung, die Walewski 2020 für sich entschied. Heeschen wollte aber nicht klein beigeben.

Praktische Auswirkungen hat die Gerichtsentscheidung keine. Bei der Hauptversammlung an diesem Mittwoch standen weitere Bestätigungsbeschlüsse auf der Tagesordnung, mit denen die Entscheidung von 2019 erneut abgesegnet werden sollte. »Wir hätten dies unabhängig von der Entscheidung des Landgerichts ohnehin getan, um auf der sicheren Seite zu sein«, sagte eine Unternehmenssprecherin. Der Kläger Heeschen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

mamk/dpa
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