SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

13. Mai 2009, 15:48 Uhr

Heftige Verbal-Attacken

Porsche-Betriebsrat wirft Piëch Rechtsbruch vor

Erst schmäht VW-Patriarch Piëch Porsche-Vorstandschef Wiedeking, jetzt schlagen die Stuttgarter zurück: Der Betriebsrat des Sportwagenherstellers lässt prüfen, ob Piëch gegen das Aktienrecht verstoßen hat. Der Vorwurf: Verletzung der Treue-, Sorgfalts- und Verschwiegenheitspflicht.

Stuttgart - Schlammschlacht bei Porsche und Volkswagen: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sagte am Mittwoch in Stuttgart, er lasse juristisch prüfen, ob VW-Patriarch Ferdinand Piëch gegen die gesetzliche Treue-, Sorgfalts- und Verschwiegenheitspflicht verstoßen habe.

Porsche-Betriebsratschef Hück: "Wir haben keine finanzielle Schieflage"
AP

Porsche-Betriebsratschef Hück: "Wir haben keine finanzielle Schieflage"

Piëch ist Aufsichtsratschef bei Volkswagen , gleichzeitig sitzt er aber auch im Aufsichtsrat von Porsche . In dieser Funktion hätte er sich nicht derart negativ über Porsche äußern dürfen, wie er es am Montag getan hat, glaubt Hück. Damit ist das Klima zwischen den beiden Unternehmen endgültig vergiftet - obwohl sie eigentlich fusionieren wollen.

Piëch - der bekennender Volkswagen-Fan, aber auch Porsche-Miteigentümer ist - hatte am Dienstag öffentlich von Schwierigkeiten der Stuttgarter gesprochen, Geld aufzutreiben. VW hingegen könne leichter an Kredite kommen. Außerdem ließ Piëch deutlichen Unmut über Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking erkennen. Der Manager sei "persönlich bemüht", den "Reifendefekt" zu beheben, der durch die Verschuldung von Porsche entstanden sei, erklärte Piëch süffisant. Die Porsche-Aktie war daraufhin massiv eingebrochen.

Porsche-Betriebsratschef Hück sieht diese Äußerungen extrem kritisch. Als Aufsichtsratsmitglied unterliege Piëch der Verschwiegenheitspflicht - und die habe er womöglich verletzt. Nun soll geprüft werden, ob ein Verstoß gegen das Aktienrecht vorliege.

Piëch ließ erklären, er habe keine Firmengeheimnisse von Porsche ausgeplaudert. "Sowohl die Verschuldung und die Liquiditätsschwierigkeiten, als auch die Intransparenz der Optionsstruktur der Porsche Holding SE sind seit Wochen in der öffentlichen Diskussion", verlautete in Wolfsburg aus Piechs Umfeld. Insofern habe der Aufsichtsratschef von VW nicht mehr bekundet, als seit Wochen über Porsche in den Zeitungen zu lesen sei, hieß es.

Hück sagte zur Lage bei dem Sportwagenbauer: "Wir haben keine finanzielle Schieflage." Porsche habe neun Milliarden Euro Schulden und ein Vermögen von knapp 40 Milliarden Euro. "Es stimmt nicht, dass es uns schlecht geht", fügte er hinzu. Hück bekräftigte, dass die Belegschaft hinter Konzernchef Wiedeking stehe. Der Manager werde seinen Vertrag erfüllen. Er ist bis zum Jahr 2012 bestellt.

Auf die scharfe Kritik von Piëch an der Person Wiedeking ging Hück nur indirekt ein. "Wahnsinn kommentiere ich nicht gerne", sagte der Betriebsratschef.

Zur Diskussion über den neuen Konzernsitz erklärte er, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Porsche-Holding habe ihren Sitz in Stuttgart - "Porsche bleibt Porsche", sagte Hück. Der Aufsichtsratschef von Porsche, Piëchs Cousin Wolfgang Porsche, habe ihm versichert, dass der Sportwagenbauer eigenständig bleibe.

Bei Piëch selbst hörte sich das anders an. Er machte deutlich, dass in dem geplanten fusionierten Konzern Volkswagen das Sagen haben werde. Konzernsitz werde Wolfsburg - eine klare Absage an Stuttgart. Hück keilt nun zurück: Es gebe überhaupt keine Fusionsgespräche zwischen Porsche und Volkswagen, sondern nur Sondierungen.

Moderater verhält sich Wolfgang Porsche, der dem Porsche-Aufsichtsrat vorsitzt. Er wolle die jüngsten Aussagen seines Cousins nicht öffentlich kommentieren, ließ er knapp mitteilen.

Der Sportwagenhersteller Porsche hält zurzeit rund 51 Prozent an VW. Ursprünglich hatten die Stuttgarter allerdings 75 Prozent und damit die volle Kontrolle übernehmen wollen. Dieses Vorhaben ist an Finanzierungsproblemen gescheitert. Nun verfolgt Porsche-Chef Wiedeking Plan B - eine Fusion mit Volkswagen. Auch die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sind im Prinzip dafür. Die Details müssen allerdings noch ausgehandelt werden.

Wie zerrüttet das Klima zwischen Piëch und Wiedeking ist, zeigte sich am Mittwoch auf der Hauptversammlung der VW-Tochter Audi. Als Wiedeking das Podium der Aufsichtsräte erklomm, begrüßte er alle Umstehenden per Handschlag - bis auf Piëch. "Heute kann scharf geschossen werden", scherzte Wiedeking betont gelassen. Vor den Aktionären fand jedoch keine direkte Auseinandersetzung statt. Die beiden Widersacher würdigten sich keines Blickes.

wal/AP/ddp/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung