Heikle Finanzlage Qimonda fleht bei Bundesregierung um Hilfe

Die Lage ist dramatisch, das Unternehmen braucht dringend Geld: Der verlustreiche Chip-Hersteller Qimonda hat bei der Bundesregierung nach Hilfe gefragt. Die sächsische Landesregierung prüft gar eine Teilverstaatlichung des Konzerns.


München - Die Not ist groß, das wurde auf einem geheimen Treffen zwischen dem Chef des Qimonda-Mutterkonzerns Infineon, Peter Bauer, Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) deutlich. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, warben die Manager angesichts der schwierigen Lage in der Branche um die Rettung für Qimonda und um Hilfen für die gesamte deutsche Chip-Industrie.

Qimonda-Mitarbeiter bei Protesten im Oktober: Sachsen prüft Teilverstaatlichung
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Qimonda-Mitarbeiter bei Protesten im Oktober: Sachsen prüft Teilverstaatlichung

Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Sprecher von Qimonda und Infineon Chart zeigen wollten sich nicht äußern. Die Branche leidet unter dem weltweit massiven Preisverfall bei Speicher-Chips. Die Lage bei Qimonda Chart zeigen sei "dramatisch", hieß es gegenüber der Nachrichtenagentur AP aus informierten Kreisen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise weiter berichtet, prüft die sächsische Landesregierung eine Teilverstaatlichung des Konzerns, der in einem Werk in Dresden derzeit rund 3200 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Sprecherin des sächsischen Wirtschaftsministeriums sagte, es gebe Gespräche mit Qimonda und es würden verschiedene Hilfsoptionen geprüft. Derzeit werde ein Gutachten erstellt. Finanzminister Georg Unland hatte erklärt, Sachsen wolle bis zum Jahresende eine Entscheidung über mögliche Hilfen fällen.

Derzeit nehme die Landesregierung neben der technischen Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auch die finanzielle Lage unter die Lupe, um Hilfspakete auszuloten, berichtet die Zeitung weiter. Der Konzern könne im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgeben und diese an den Freistaat verkaufen. Qimonda braucht dem Bericht zufolge eine Finanzspritze in dreistelliger Millionenhöhe. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen einen Verlust von 401 Millionen Euro gemacht.

Infineon hatte Qimonda in ein Tochterunternehmen ausgegliedert, hält derzeit aber noch 77,5 Prozent der Anteile. Der Chiphersteller hat in diesem Jahr bereits die Streichung von weltweit über 4300 Jobs angekündigt. Dabei sollen am Standort Dresden rund 1300 Jobs wegfallen, in München mehr als 500. Derzeit hat Qimonda nach Konzernangaben in Deutschland noch 4600 Mitarbeiter, weltweit sind es 12.200.

sam/AP



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