Coronakrise Heizölpreis fällt auf Zehnjahrestief

Gute Nachrichten für Verbraucher: Heizöl und Gas sind zu Oktoberbeginn so günstig wie lange nicht mehr. Das hat auch mit der Corona-Infektion von US-Präsident Trump zu tun.

Die Nachricht von der Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump hat die Energiepreise weiter sinken lassen. Infoportale wie Esyoil und Heizoel24 geben den Preis für Heizöl inzwischen mit deutlich weniger als 40 Euro für 100 Liter an. Die Kosten seien so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr, hieß es.

Bereits zuvor waren die Energiepreise immer mehr gesunken. Gründe seien unter anderem die Corona-Pandemie und die damit einhergehende schwache Weltkonjunktur, sagte Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24. Dazu komme seit Juli der niedrigere Mehrwertsteuersatz. Trumps Erkrankung verschärfe den Trend nun, denn der Präsident gilt als Unterstützer der US-Ölindustrie.

In einem Marktkommentar des Analysehauses Esyoil wurden weitere Gründe für das Preistief genannt. Die Einigung über ein Konjunkturpaket in den USA sei in weite Ferne gerückt, und die Zahl der aktiven Ölbohranlagen in den USA sei deutlich gestiegen, hieß es. Hinzu komme, dass Ölförderländer wie Saudi-Arabien, Russland und Libyen zuletzt ihre Exporte gesteigert hätten - trotz fehlender Nachfrage.

Der Preis für Öl der Nordseemarke Brent pendelt inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Juni. Gezahlt werden mussten weniger als 40 Dollar für ein Barrel (159 Liter). Auf dem deutschen Heizölmarkt nahmen die Anbieter den Weltmarktimpuls umgehend auf: Um bis zu einen Cent je Liter hätten die Anbieter die Preise gesenkt, heißt es bei Heizoel24. Allerdings nicht in allen Regionen: Während die Verbraucherpreise in Hamburg deutlich nachgaben, blieben sie in Hannover weitgehend stabil.

Die Kunden haben relativ wenig von den Tiefpreisen. "Die Tanks sind bereits voll, das Auftanken zum Schnäppchenpreis schlicht nicht möglich", hieß es bei Heizoel24. Die durchschnittliche Bestellmenge je Haushalt sei im Vergleich zum August um 150 Liter auf rund 2300 Liter gesunken.

Energieexperte Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox sagte, die Lage könne sich zum Jahreswechsel ändern, wenn erstmals ein CO₂-Preis im deutschen Wärmesektor erhoben wird. Geplant ist ein Festpreis von 25 Euro je Tonne CO₂, der dann schrittweise steigt. Erst einmal dürften die Energiepreise aber weiter fallen. Im Moment sehe es danach aus, dass nur ein Abflauen der Pandemie oder die nahe Verfügbarkeit eines Impfmittels den Ölmarkt aus seinem Abwärtstrend reißen könnten.

Auch die Gaspreise befinden sich auf niedrigem Niveau. Der Durchschnittspreis sei im Laufe des Jahres um 7,4 Prozent gefallen, unter Berücksichtigung der niedrigeren Mehrwertsteuer sogar um 9,7 Prozent, heißt es bei Verivox. Nur hätten die Kunden wenig davon. Zwar kauften Gasversorger günstig ein. Doch wegen des absehbaren CO₂-Aufpreises gäben längst nicht alle die Senkungen an ihre Kunden weiter.

ssu/dpa
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