Herbstsaison Gas- und Ölpreise auf Rekordkurs

Im Sommer hatten noch die hohen Benzinpreise bei den Verbrauchern für Aufregung gesorgt. Für die Hausbesitzer wird das im Rückblick jedoch nur wie ein Vorspiel erscheinen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Kosten für Gas- und Ölheizung werden so teuer sein, wie seit Jahren nicht mehr.


Heizöl-Lieferung: weitere Preiserhöhungen zum Jahreswechsel wahrscheinlich
DDP

Heizöl-Lieferung: weitere Preiserhöhungen zum Jahreswechsel wahrscheinlich

Hamburg/New York - Die Preise für Heizöl und Gas haben in dieser Woche ihre langjährigen Höchststände überschritten, teilte der Energie-Informationsdienst EID am Freitag in Hamburg mit. Nach den Erhebungen des Fachdienstes verlangen Heizölhändler rund 47 Euro für 100 Liter, bei Abnahme von 3000 Litern. Das seien zwei Euro mehr als in der Woche zuvor. "Viele Verbraucher scheinen ihre Kaufzurückhaltung aufgegeben zu haben", sagte Rainer Wiek vom EID. "Die Nachfrage war deutlich belebt." Zuletzt war Heizöl mit rund 50 Euro je 100 Liter im Herbst 2000 ähnlich teuer.

Die Erdgaskunden müssen rund 1600 Euro für eine Haushaltsmenge ausgeben, die 3000 Litern Heizöl entspricht. Damit müssen die Erdgas-Verbraucher für eine vergleichbare Leistung noch tiefer in die Tasche greifen als die Haushalte mit einem Öl-Brenner. "Das ist die höchste Erdgasrechnung, seit wir im Jahre 1989 mit der regelmäßigen Ermittlung der Gaspreise begonnen haben", sagte Wiek. Die bisherige Spitzenmarke aus dem Sommer 2001 sei damit übertroffen. Zahlreiche Energieversorger hatten zum 1. September und 1. Oktober ihre Endverbraucherpreise erhöht. Zum Beginn des kommenden Jahres sind laut EID weitere Preiserhöhungen wahrscheinlich.

Grund für die Preissteigerungen sind die weiterhin steigenden Rohölpreise, die sich auf dem amerikanischen Markt weiter in Richtung 50 Dollar je Barrel bewegen. Ölhändler rechnen damit, dass die historische Grenze in der kommenden Woche überschritten werden könnte.

Ein deutliches Zeichen für den starken Aufwärtstrend der Ölpreise ist die Tatsache, dass die US-Regierung angekündigt hatte, man erwäge, die nationale Ölreserve anzuzapfen. Die Preise gingen daraufhin kurz zurück, stiegen dann aber weiter. Ausgelöst wurde der aktuelle Preisanstieg durch Lieferengpässe infolge der jüngsten Hurrikanserie im Golf von Mexiko.

Der Hurrikan "Ivan" habe den Erdöl-Strom aus dem Golf von Mexiko und auch die Weiterverarbeitung getroffen, sagte ein Regierungssprecher in Washington. Wegen des Sturms mussten an der Küste im Golf von Mexiko Raffinerien schließen, Tanker konnten nicht in die Häfen einlaufen. Die Förderung aus dem Golf von Mexiko deckt etwa ein Drittel der US-Ölproduktion. Regierungssprecher Scott McClellan sagte, das Energieministerium sondiere derzeit Nachfragen mehrere US-Raffinerien, sich für kurze Zeit kleine Mengen Erdöl aus der strategischen Ölreserve des Landes zu borgen.

McClellan wies darauf hin, dass die US-Regierung schon vor zwei Jahren auf die Reserve zurückgegriffen habe, nachdem ein Hurrikan die Lieferungen unterbrochen hatte. Beobachtern zufolge deuten die Aussagen des Sprechers darauf hin, dass die Regierung der Anfrage der Raffinerien stattgeben wird.

Die Ölreserven der Raffinerien befinden sich nach Angaben der US-Wirtschaftsagentur Bloomberg auf dem niedrigsten Niveau seit 29 Jahren. 24 von 41 von Bloomberg befragten Ölexperten gehen für die kommende Woche von einem weiteren Anstieg der Ölpreise aus, 14 erwarten fallende Ölpreise und drei rechnen mit wenig veränderten Preisen.

Öl zur Novemberauslieferung notierte am Freitagmorgen im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex mit 48,42 Dollar je Barrel (159 Liter) um vier Cent niedriger als am Vortagsschluss. Der Ölpreis hat damit in dieser Woche um mehr als sechs Prozent zugelegt. Der Ölpreis war am Vortag zeitweise auf 49 Dollar gestiegen, ehe er wieder etwas nachgab. Am 20. August hatte er mit 49,40 Dollar auf ein Allzeit-Hoch erreicht.

Auf dem Benzinmarkt sind die Preise trotz zweier Preiserhöhungen in der Woche im Wesentlichen unverändert. Superbenzin kostet im bundesweiten Durchschnitt bei Markentankstellen 1,18 Euro je Liter, Diesel 99 Cent.



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