Heros-Skandal Prokuristinnen gestehen Millionenbetrug

Im zweiten Prozess zur Aufarbeitung der Betrugsaffäre um die Geldtransporterfirma Heros kommen immer neue, irritierende Einzelheiten ans Licht. Heute gestanden zwei ehemalige Prokuristinnen, einen Millionenbetrag abgezweigt zu haben.


Hildesheim/Heide - Die 38 und 61 Jahre alten Angeklagten aus der mittleren Führungsebene räumten heute im Landgericht Hildesheim ein, etwa zwei Millionen Euro aus einer Filiale in Heide (Schleswig-Holstein) an sich genommen und geteilt zu haben. Das Geld konnte nach der Währungsumstellung auf Euro angeblich keinem Kunden zugeordnet werden. Die jüngere der beiden gab zudem zu, das illegale Schneeballsystem der Firmenchefs gedeckt zu haben. Beide Frauen aus Rendsburg in Schleswig-Holstein müssen sich wegen Untreue verantworten.

Heros-Geldtransporter (Archiv): Exklusiver Lebensstil mit einem Faible für teure Autos
DPA

Heros-Geldtransporter (Archiv): Exklusiver Lebensstil mit einem Faible für teure Autos

Bei dem Zusammenbruch des damaligen Branchenprimus Heros war ein Schaden in Höhe von etwa 240 Millionen Euro entstanden. Der Firmengründer Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager wurden im Mai wegen Untreue zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit den Geldern Finanzlöcher bei Heros gestopft und Millionensummen in die eigene Tasche gewirtschaftet. Alle vier Männer haben Revision gegen ihre Urteile eingelegt. Insgesamt stehen 469 Millionen Euro offene Forderungen aus dem Insolvenzverfahren zu Buche.

Euro-Umstellung schafft Gelegenheit

"Nach der Euro-Umstellung ging es bei uns drunter und drüber. Plötzlich hatten wir zu viel Geld im Tresor, das keinem Kunden zugeordnet werden konnte", sagte die 38-Jährige zum Prozessauftakt am Freitag. Daraufhin habe sie gemeinsam mit ihrer angeklagten Kollegin beschlossen, das Geld heimlich einzustecken.

In der Folgezeit gaben beide Frauen das Geld für einen exklusiven Lebensstil aus. Während die 61-Jährige eine Eigentumswohnung, mehrere Autos und Wohnmobile anschaffte, finanzierte die Jüngere einen Hausbau mit dem Geld der Heros-Kunden. Nach der Festnahme gab die 38- Jährige fast 600 000 Euro Bargeld an die Justizbehörden zurück, während die 61-Jährige ihren gesamten Anteil verprasst haben will.

Zudem räumte die 38-Jährige ein, dass sie wenige Tage vor dem Auffliegen des Skandals im Februar 2006 etwa 55 Millionen Euro auf die Konten kleinerer Handelskunden überwiesen hatte, denen das Geld gar nicht zustand. Das Geld war eigentlich für Geldautomaten größerer Banken vorgesehen. So sollten wenigstens die kleineren Kunden vor der Heros-Pleite in einer Art "Robin-Hood-Manier" noch einen Betrag erhalten. "Es hieß, dass die großen Banken eher auf das Geld verzichten könnten", erläuterte die Niederlassungsleiterin.

Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Mit einem Urteil wird im August gerechnet.

mik/dpa



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