Hip-Hop Mogul Dash Der Dollarholic

Seit zehn Jahren baut der amerikanische Musikproduzent Damon Dash sein Imperium auf. Mittlerweile hat er ein Vermögen von einer halben Milliarde Euro angehäuft. Doch damit nicht genug - jetzt will Dash sogar Apples iPod angreifen.

Von Daniel Rettig


Multi-Millionär Dash am Filmset: In zehn Jahren zum eigenen Imperium
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Multi-Millionär Dash am Filmset: In zehn Jahren zum eigenen Imperium

Hamburg - Stuart Jeffries Dash prophezeite seinen Freunden schon als Jugendlicher seine Zukunft: Er werde ein eigenes Plattenlabel haben, in Luxusvillen wohnen und mit seinem eigenen Privatjet reisen. Seine Freunde werden ihn vermutlich für verrückt gehalten haben. Damals.

Dash kam im Mai 1971 im New Yorker Stadtteil Harlem zur Welt. Seine allein erziehende Mutter arbeitete als Sekretärin, viel Geld hatten die beiden nicht. Schnell realisierte Dash: Wenn ich es aus dem Ghetto schaffen will, muss ich fleißig sein. Mit einem Stipendium schaffte er es auf eine private High School. Dort traf er vor allem auf Kinder aus besserem Hause. Alle hatten mehr Geld zur Verfügung als er, Dash fühlte sich unwohl in seiner Haut.

Anfang der 90er Jahre traf Dash den Nachwuchsrapper Shawn Carter, heute besser bekannt unter dem Künstlernamen Jay-Z. Carter war damals auf der Suche nach einem Plattenvertrag, Dash organisierte vor allem Parties in der Nachbarschaft. Er erkannte sofort Carters Talent. Als sie nach einer Weile immer noch kein Label gefunden hatten, sagte Dash: "Komm, wir machen unser eigenes Ding."

Ihr Plattenlabel nannten sie "Roc-A-Fella", in Anlehnung an den legendären Öl-Milliardär John Rockefeller. Der Name war nicht zufällig gewählt. Dash hatte seit Gründung der Plattenfirma 1995 nur ein Ziel: Geld. In einem Song von Jay-Z, den Dash produzierte, heißt es: "Ich muss diese Scheine haben, muss sie anfassen und ausgeben, denn ich liebe es, Mann!"

Herrscher über ein "bewundertes Königreich"

Seit Dash und Carter begannen, Platten aus ihrem Kofferraum zu verkaufen, hat Jay-Z über 20 Millionen Alben verkauft und ist einer der berühmtesten Rapper weltweit. Doch Dash reichte es nicht, nur einen Künstler unter Vertrag zu haben, Roc-A-Fella produziert heute 25 Künstler.

Manche brauchen ein ganzes Leben, um sich ein Imperium aufzubauen. Dash schaffte es in weniger als zehn Jahren. Inzwischen herrscht Dash über ein "bewundertes Königreich" - so steht es in aller Bescheidenheit auf der offiziellen Homepage der Plattenfirma.

Ende der 90er gründeten Dash und Carter "Roc-A-Wear", eine Kleiderlinie für Jugendliche und solche, die es bleiben wollen. Heute setzt Dash damit jährlich 300 Millionen Dollar um. Das aktuelle Gesicht der Kampagne: Top-Model Kate Moss.

Dash, Sängerin Jessica Simpson: Gut geölte Marketingmaschine
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Dash, Sängerin Jessica Simpson: Gut geölte Marketingmaschine

Auf dem Filmfestival "TriBeCa" zeigte Dash im vergangenen Jahr stolz seinen ersten Film "Death of a Dynasty" (Tod einer Dynastie). Sein Film bedeutet in diesem Fall: Dash spielte nicht nur mit, sondern finanzierte und produzierte den Streifen, führte Regie und übernahm den Vertrieb.

Der Film ist eine Parodie auf die Rap-Industrie, in der viele eine Welt voller gewalttätiger Gangster sehen. Diese Gewalt gibt es auch bei Roc-A-Fella. Ein Künstler des Labels wurde bei einem Streit 2003 erschossen, auch Dash und sein Kumpel Carter gerieten schon öfter in Schlägereien oder Messerstechereien. Trotzdem erweitert Dash sein Imperium unaufhaltsam.

Er besitzt eine Agentur für Sportmanagement, hat mit Armadale Wodka seine eigene Spirituosenmarke und verkauft Luxusuhren. Entworfen hat sie der Schmuck- und Uhrenhersteller Daniel Lazar, die Preise für die Uhren liegen zwischen 18.000 und 175.000 US-Dollar. Außerdem verkauft Dash Sportschuhe und gibt ein Modemagazin heraus. Vor kurzem gönnte er sich einen englischen Fernsehsender, der die Basis für die Expansion nach Europa bilden soll.

Süchtig nach Klunkern und Geld

Jetzt kündigte Dash einen noch größeren Deal an. Ab November verkauft Dashs Firma Roc Digital mit der Rocbox eine Kollektion von MP3-Playern. Und wieder setzt sich Dash hohe Ziele: Er will mit seinen Geräten Apples erfolgreichem iPod Konkurrenz machen.

Dash setzt dabei auf eine gut geölte Marketingmaschine. Die Künstler seines Labels zeigen die Produkte von Dashs Firmen in ihren Videos, die auf den Musikkanälen rauf und runter gedudelt werden: Sie tragen die Klamotten von Roc-A-Wear, halten den firmeneigenen Wodka ins Bild, tragen die Luxusuhren und bald dann auch die Rocbox. Marketing-Experten nennen das cross-branding, Dash hat es perfektioniert, obwohl er nie eine Uni von innen gesehen hat. Und so füllen sich Dashs Kassen genau so, wie er es als Jugendlicher versprochen hatte.

Dash gibt zu, ein so genannter cakeaholic zu sein, süchtig nach Klunkern und Geld. Und selbstverständlich ranken sich um seine Spleens Legenden: Er verabscheue Fluglinien und benutze nur seinen Privatjet, um zu seinen Villen in New York, Beverly Hills oder London zu gelangen. Außerdem trägt er alle Klamotten nur einmal, danach gibt er sie an seine eigene Wohltätigkeitsorganisation.

Leisten kann er es sich. Dashs Privatvermögen wird inzwischen auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Und auch das reicht Dash noch nicht: Er hat es sich zum Ziel gesetzt, weltweit erster HipHop-Milliardär zu werden. Bescheidenheit war nie seine Sache, und sie wird es nie sein. Dash: "Wenn David Beckham gleichzeitig in Basketball, Fußball und Rugby der Beste der Welt wäre, dann wäre er so wie ich. Annähernd jedenfalls."



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