Historischer Rückgang Arbeitslosigkeit sank 2007 so stark wie nie

Gleich mehrere Rekorde kann die Bundesarbeitsagentur vermelden: Seit 15 Jahren war die Dezember-Zahl der Arbeitslosen nicht mehr so gering wie jetzt - und so stark wie 2007 ging die Erwerbslosigkeit in der Bundesrepublik noch nie zurück.


Hamburg – Jubel zum Jahresanfang in der Bundesagentur für Arbeit: Im Dezember waren 3,4 Millionen Menschen ohne Arbeit – so wenig wie in keinem anderen Dezember seit 15 Jahren. Saisonbereinigt sank die Zahl damit im Vergleich zum Vormonat um rund 78.000, im Vergleich zum Vorjahr gab es im Dezember rund 600.000 Arbeitslose weniger. Im Westen Deutschlands stieg die Zahl der Arbeitlosen im Dezember gegenüber dem Vormonat um 6000 auf 2,231 Millionen. Damit lag die Arbeitslosenquote bei 6,7 Prozent. In den neuen Bundesländern erhöhte sie sich um 22.000 auf 1,176 Millionen womit die Quote bei 13,7 Prozent lag.

Auch insgesamt gesehen war 2007 auf dem Arbeitsmarkt ein gutes Jahr: Im Durchschnitt ging die Zahl der Menschen ohne Job um rund 711.000 zurück. "Das ist seit Bestehen der Bundesrepublik der größte Rückgang", sagte der Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise. Im Schnitt seien damit 2007 bundesweit 3,776 Millionen Menschen ohne Job gewesen.

In das kommende Jahr blickt Weise voller Optimismus: Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei nach wie vor hoch und lasse erwarten, dass sich der Beschäftigungsaufbau auch 2008 fortsetze. Davon könnten je zur Hälfte Bezieher von Arbeitslosengeld I und Langzeitarbeitslose, die Leistungen aus der Grundsicherung (Hartz IV) beziehen, profitieren. Im Schnitt rechnet Weise für 2008 mit 3,5 Millionen Erwerbslosen. Bei einer weiterhin guten Konjunktur und guten Witterungsverhältnissen könnte die durchschnittliche Arbeitslosigkeit auch noch stärker sinken, sagte Weise.

Die unerwartet gute Entwicklung im vergangenen Jahr bedeutet für die BA bares Geld. Bis zum Jahresende kamen fast elf Milliarden Euro mehr in die Kasse als erwartet, so verbuchte die Behörde Ende 2007 einen Überschuss von 6,6 Milliarden Euro. Bei der Haushaltsplanung für 2007 war sie noch von einem Defizit in Höhe von 4,3 Milliarden Euro ausgegangen. Zusammen mit dem Überschuss von 2006 hat die BA nun Rücklagen von rund 18 Milliarden Euro. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung war daher zum Jahresanfang 2008 von 4,2 auf 3,3 Prozent gesenkt worden.

Auch viele Volkswirte sind optimistisch, was die künftige Entwicklung am Arbeitsmarkt betrifft. Dabei gehöre die Dienstleistungsbranche erneut zu den Gewinnern, während in der Industrie tendenziell weiter Arbeitsplätze abgebaut würden. Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, prognostiziert ebenso wie Weise für 2008 einen Jahresdurchschnitt von 3,5 Millionen Arbeitslosen.

Franz mahnte in der "Passauer Neuen Presse" angesichts von Forderungen von bis zu acht Prozent mehr Gehalt aber zur Zurückhaltung bei den anstehenden Tarifrunden. "Wichtig ist jetzt, dass wir die Früchte einer moderaten Tariflohnpolitik der vergangenen Jahre weiterhin ernten und das Wachstum verstetigen." Dieser "vernünftige Kurs" müsse fortgeführt werden, sagte Franz. Gesamtwirtschaftlich bestehe ein Verteilungsspielraum von 2,0 bis 2,5 Prozent, jedoch komme es auf den Spielraum der jeweiligen Branchen an.

ase/AP/dpa

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