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BAUINDUSTRIE Hochtief verklagt Holzmann

aus DER SPIEGEL 43/2001

Auf 60 Millionen Mark Schadensersatz hat die Hochtief AG die Philipp Holzmann AG verklagt. Der Essener Baukonzern hatte 1998 für knapp 200 Millionen Mark Wandelanleihen seines Frankfurter Konkurrenten erworben. Diese Schuldverschreibungen haben seit der Beinahe-Pleite der Holzmann AG zeitweise 70 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Hochtief veräußerte die Anleihen mit einem Verlust von rund 30 Prozent, den Fehlbetrag fordert der Konzern nun von Holzmann zurück. Das Unternehmen beruft sich in der Klage darauf, dass Holzmann im Prospekt der Papiere falsche Angaben zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens gemacht habe. Das geht auch aus zwei Wirtschaftsprüfungsberichten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. So schreibt die KPMG, Holzmann habe 1998 unter anderem Nachzahlungen für Bauleistungen in der Bilanz aktiviert, die überhaupt nicht eingefordert waren. In 1999 mussten deshalb 127 Millionen Mark wieder ausgebucht werden. Zudem bilanzierte der Konzern Forderungen, die noch gar nicht fällig waren. In sechs Fällen habe Holzmann, den Berichten zufolge, Risiken zu niedrig oder erwartete Gewinne zu hoch bewertet. In der Summe war die Bilanz deshalb um 554 Millionen Mark zu hoch bewertet. Hochtief hat von den falschen Zahlen erst auf der Holzmann-Hauptversammlung im Juni dieses Jahres erfahren. Damals hatte der ehemalige Holzmann-Chef Lothar Mayer aus den Papieren zitiert. Nachdem sich Holzmann-Chef Konrad Hinrichs weigerte, den Verlust zu ersetzen, reichte Hochtief am vergangenen Donnerstag Klage beim Landgericht Frankfurt ein.

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