Änderungen 2022 Höhere Löhne, höhere Abgaben

Das neue Jahr bringt eine Reihe neuer Regeln. Mindestlohn und Renten steigen, Sprit wird noch einmal teurer – und Einkaufen nachhaltiger. Eine gute Nachricht gibt es für Telefon- und Internetkunden.
Reinigungskraft zwischen Rolltreppen: Der Mindestlohn steigt – aber es werden 2022 auch höhere Abgaben fällig

Reinigungskraft zwischen Rolltreppen: Der Mindestlohn steigt – aber es werden 2022 auch höhere Abgaben fällig

Foto:

Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Mit der Silvesternacht sind in Deutschland in zahlreichen Bereichen neue Regeln und Verordnungen in Kraft getreten. Eine Übersicht:

Finanzen

Die wichtigste Neuerung hier ist wohl der Mindestlohn. Ohnehin Gesetz ist, dass er im Laufe des Jahres von 9,60 Euro auf mindestens 9,82 Euro brutto pro Arbeitsstunde steigt, ab 1. Juli 10,45 Euro. Die neue Bundesregierung hat jedoch angekündigt, ihn noch im Laufe dieses Jahres weiter anzuheben. Ziel: zwölf Euro pro Stunde. Auch die Renten steigen zum Sommer deutlich. Zwar steht der genaue Betrag noch nicht fest, Rentnerinnen und Rentner dürfen jedoch mit einer Erhöhung zwischen 4 und 6 Prozent rechnen.

Bei der Einkommensteuer gilt ab heute ein höherer Grundfreibetrag. Bis 9984 Euro Jahreseinkommen müssen Ledige keine Abgaben an das Finanzamt zahlen, für Verheiratete gilt der doppelte Satz. Für Alleinerziehende gilt zudem künftig unbefristet ein sogenannter Entlastungsbetrag von 4008 Euro jährlich. Arbeitgeber haben zudem noch bis März die Chance, ihren Beschäftigten eine steuerfreie Coronaprämie von bis zu 1500 Euro zu zahlen.

Für Hartz-IV-Empfänger steigen die Regelsätze geringfügig. Der Höchstbetrag des Kinderzuschlags nimmt um vier Euro zu, das Kindergeld selbst bleibt wohl unverändert. Getrennt lebende Eltern müssen allerdings von nun an laut der aktualisierten Düsseldorfer Tabelle etwas mehr Unterhalt für ihre Kinder zahlen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Viele gesetzliche Krankenversicherungen haben angekündigt, ihre Beiträge ab 2022 zu erhöhen. Grund sind vor allem die Mehrkosten durch die Coronapandemie. Die gesetzliche Pflegeversicherung indes schießt nun zum Eigenanteil für stationär betreute Menschen etwas zu: 5 Prozent im ersten, 25 Prozent im zweiten, 45 Prozent im dritten und 70 Prozent in allen weiteren Jahren. Im Gegenzug zahlen Kinderlose künftig 3,4 statt 3,3 Prozent Beitrag.

Mit dem neuen Jahr wachsen die Energiekosten von Gesetzes wegen weiter an. Durch die steigende CO₂-Abgabe werden Tanken und Heizen bis 2025 jährlich teurer. Öl und Diesel kosten 2022 rund 1,5 Cent mehr pro Liter, Benzin 1,4 Cent und Erdgas 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Umlage sinkt indes: von 6,5 auf 3,7 Cent je Kilowattstunde Strom. Die Kundinnen und Kunden dürften das jedoch kaum merken, da sich die Strom-Beschaffungskosten der Versorger deutlich verteuert haben – und diese die gestiegenen Preise wohl noch über Jahre an die Verbraucher weitergeben werden.

Konsum

2022 macht für viele Schluss mit sich endlos verlängernden Telefon- oder Internetverträgen . Bisher mussten sie drei Monate vor Ablauf der Vertragszeit gekündigt werden – ansonsten verlängerte sich der Kontrakt um ein weiteres Jahr. Ab März verkürzt sich diese Kündigungsfrist auf einen Monat, zudem verlängern sich Verträge dann ohne Laufzeit, können also binnen einem Monat fristgerecht gekündigt werden. Im Internet wird das gar komfortabler. Hier müssen Anbieter ab Sommer einen sogenannten »Kündigungsbutton« platzieren.

Verbraucherinnen und Verbraucher spüren den Jahreswechsel mitunter beim Einkauf. Ab heute sind Plastiktüten untersagt, lediglich dünne Obst- und Gemüsebeutel aus Kunststoff dürfen weiter verwendet werden. Alle Getränkedosen und Einwegflaschen sind von nun an pfandpflichtig. Ausgenommen sind nur noch »reine Molkereiprodukte«. Die meisten Supermärkte und Discounter müssen zudem künftig alte Elektrogeräte zurücknehmen, kleinere Exemplare bis 25 Zentimeter Kantenlänge selbst dann, wenn die Kunden kein neues Gerät kaufen.

Ab Januar gilt auch eine verlängerte Frist für Mängel oder Defekte, die nach einem Kauf auftreten. Bisher wurde innerhalb von sechs Monaten nach Kauf automatisch angenommen, dass diese schon bei Vertragsschluss vorlagen – und somit der Verkäufer haftet. Diese sogenannte Beweislastregel  weitet sich nun für neue Verträge auf ein Jahr aus.

Außerdem erhöht die Deutsche Post ihr Porto für Briefe und Postkarten um je 5 Cent. Anbieter von Telefonwerbung müssen künftig die ausdrückliche Einwilligung ihrer Kunden fünf Jahre lang dokumentieren. Und Kaffeefahrt-Unternehmer ab Ende Mai ihre Kundinnen und Kunden schon in der Werbung darüber informieren, wo die Veranstaltung stattfindet, wie sie zu erreichen sind und was zum Kauf angeboten wird. Medizinprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und Versicherungen oder Bausparverträge sind künftig ganz verboten.

Mobilität

Ältere Autofahrer müssen bis zum 19. Januar ihre alten Führerscheine gegen fälschungssichere Scheckkarten eintauschen. Dies gilt für die Geburtenjahrgänge zwischen 1953 und 1958. Menschen, die zwischen 1959 und 1964 geboren wurden, haben dafür ein Jahr länger Zeit. In allen Pkw werden zudem künftig medizinische Masken Pflicht – im Verbandskasten. Die Regelung sieht vor, ein Paar zum festen Bestandteil zu machen. Wann sie in Kraft tritt, ist noch nicht endgültig beschlossen.

Auch die Beiträge für die Kfz-Versicherung ändern sich, weil die Autos in neue Typenklassen wandern. Für die meisten Autofahrer hat das höhere Prämien zur Folge. Die »Innovationsprämie für Elektrofahrzeuge« wird bis Ende 2022 verlängert. Hybridmodelle werden indes künftig nur noch gefördert, wenn sie mindestens 60 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können. Zudem werden weitreichende Fahrerassistenz- und Sicherungssysteme Voraussetzung für die Genehmigung neuer Fahrzeuge.

Bahnkunden indes haben die Tariferhöhung mit dem im Dezember in Kraft getretenen Winterfahrplan bereits hinter sich. Für sie gibt es nur eine Neuerung: Ab heute kann im Zug keine Fahrkarte mehr beim Schaffner gekauft werden. Allerdings gibt es in der App bis zu zehn Minuten nach Abfahrt noch ein digitales Ticket.

Gesundheit

Das von vielen lang erwartete E-Rezept verschiebt sich auf unbestimmte Zeit. Die Technik für die eigentlich zum Jahreswechsel geplante Pflicht für Ärzte, Kliniken und Apotheken, Arzneiverordnungen nur noch in digitaler Form auszustellen, steht noch nicht flächendeckend zur Verfügung. Auch die Umstellung auf die neue elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, bei der Ärzte und Kassen die AU direkt an die Arbeitgeber schicken, wird deutschlandweit noch etwas auf sich warten lassen.

Fest steht indes die Impfpflicht  für Beschäftigte in Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen, Rettungsdiensten und Geburtshäusern. Sie müssen ab Mitte März eine vollständige Coronaimpfung nachweisen, alternativ einen Nachweis über ihre Genesung von Covid-19.

sbo/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.