Steuerverfahren Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Haft für Hoeneß

Muss der FC-Bayern-Boss ins Gefängnis? Im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß fordert die Staatsanwaltschaft eine hohe Strafe - fünf Jahre und sechs Monate soll er in Haft. Die Verteidigung will höchstens eine Bewährungsstrafe. Die Entwicklungen im Überblick.


München/Hamburg - Im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß haben am Donnerstagvormittag vor dem Landgericht München II Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers abgeschlossen. Danach zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Ab 14 Uhr wird nun das Urteil gegen den Präsidenten des FC Bayern München erwartet.

Die Forderungen im Einzelnen:

  • Die Anklage plädierte für eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Staatsanwalt Achim von Engel sagte: "Eine wirksame Selbstanzeige, die die Verfolgung verhindern würde, liegt nicht vor." Eine Selbstanzeige müsse zumindest so viele Angaben enthalten wie eine Steuererklärung. "Das ist bis heute nicht der Fall", betonte von Engel. Für Hoeneß spreche zwar, dass er ein Geständnis abgelegt habe, nicht vorbestraft sei und unter einer großen psychischen Belastung stehe. Der Prozess habe einen "gewaltigen medialen Wirbelsturm" ausgelöst, Hoeneß habe öffentlich am Pranger gestanden. Gewichtige Milderungsgründe, die eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würden, seien das aber nicht.
  • Die Verteidigung forderte grundsätzlich eine Einstellung des Verfahrens, weil sie die Selbstanzeige weiterhin für wirksam hält. Diese erfülle inhaltlich alle Voraussetzungen, die der Gesetzgeber und der Bundesgerichtshof verlangten, sagte Verteidiger Hanns W. Feigen. Es sei bei der Abgabe lediglich ein Formulierungsfehler unterlaufen. Sollte das Gericht die Selbstanzeige für unwirksam halten, so sei höchstens eine Bewährungsstrafe "tat- und schuldangemessen". Hoeneß' Tat werde "überlagert von einer vollständigen Rückkehr zur Steuerehrlichkeit". Es gebe zudem bisher keine Urteile, wie mit einer fehlgeschlagenen Selbstanzeige umzugehen sei.

Das Schlusswort hätte Hoeneß selbst zugestanden. Der 62-Jährige verzichtete jedoch darauf. "Ich hätte es nicht besser als mein Verteidiger ausdrücken können", sagte er.

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Hoeneß-Prozess: Drei Jahre, sechs Monate
Schon am frühen Morgen hatten sich vor dem Justizpalast Schlangen von Schaulustigen gebildet, die auf Einlass in den Gerichtssaal warteten. Die Anklage war ursprünglich von 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern ausgegangen. Im Laufe des Prozesses kamen aber neue Unterlagen hinzu und die Summe vervielfachte sich auf 27,2 Millionen Euro.

Erachten die Richter die Selbstanzeige für gültig, die Hoeneß im Januar 2013 eingereicht hatte, könnte das Verfahren eingestellt werden und Hoeneß straffrei bleiben. Die Steuerschuld plus Zinsen müsste er aber bezahlen.

yes/dab/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 266 Beiträge
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koepi71 13.03.2014
1. Mein Tipp
2 Jahre Bewährung sowie Strafzahlung von 2 Mio.
chrissie 13.03.2014
2. Ich lege mich fest
4 Jahre und Geld- oder Vermögensstrafe im 6stelligen Bereich.
sidTW 13.03.2014
3. 5 1/2 Jahre
krass, 5 mal keine Meisterschaft gucken, das tut weh.
wimoka 13.03.2014
4. so billig kommt kein bankräuber davon!
Nur fünf Jahre für die Hinterziehung von 27 Millionen? Da fragt sich jeder ehrliche Steuerzahler, warum er überhaupt noch zahlt. Das ist doch kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl am Volk!
ihrwisstnix 13.03.2014
5. warum nur 5 1/2-Jahre?
Nach dem Gesetz sind bis zu 10 Jahren möglich. Wie hoch muss denn die Hinterziehung sein, um das auszuschöpfen? Mehr Betrügen und Lügen kann man doch wohl nicht - oder? Oder ist es wieder einmal eher so, dass das im Hinterzimmer ausgemauschelt wurde? Wäre ja denkbar, bei den "Beteiligten" Audi, Stoiber, Allianz etc.
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