3,8 Prozent Teuerung Hohe Energiepreise treiben die Inflation nach oben

Um satte 3,8 Prozent hat sich das Leben in Deutschland binnen Jahresfrist verteuert. Die Inflationsrate ist so hoch wie seit 27 Jahren nicht mehr. Doch das liegt auch an zwei Sondereffekten.
Kraftstoffpreise an der Autobahntankstelle Harz-Ost, Juni 2021. Höhere Energiekosten treiben die Inflationsrate hoch

Kraftstoffpreise an der Autobahntankstelle Harz-Ost, Juni 2021. Höhere Energiekosten treiben die Inflationsrate hoch

Foto: Claus Hecking / DER SPIEGEL

Vor allem stark gestiegene Energiekosten und die wieder höhere Umsatzsteuer haben das Leben in Deutschland so kräftig verteuert wie seit mehr als 27 Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise lagen im Juli um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Damit bestätigte das Amt seine vorläufigen Angaben von vorvergangener Woche.

Einen höheren Wert hatten die Statistiker zuletzt im Dezember 1993 ermittelt. Damals betrug die Inflationsrate 4,3 Prozent. Nach dem leichten Rückgang der Inflation auf 2,3 Prozent im Mai 2021 hat sich der Trend wieder umgekehrt. Von Juni auf Juli erhöhten sich die Verbraucherpreise nach Berechnungen der Behörde um 0,9 Prozent.

Gerade der Anstieg der Energiepreise (plus 11,6 Prozent gegenüber Juli 2020) heizt die Inflation zurzeit an. Er ist auch auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Denn mit Ausbruch der Coronakrise waren die Rohölpreise im vergangenen Jahr wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen. Seither erholen sie sich.

Zudem sind in Deutschland seit Januar 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO₂) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Insbesondere Heizöl (plus 53,6 Prozent) und Kraftstoff (plus 24,7 Prozent) verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich. Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte hätte die Inflationsrate den Angaben zufolge im Juli 2021 bei 2,9 Prozent gelegen. Für Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli 4,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Ein weiterer gewichtiger Grund für den aktuellen Anstieg der Inflationsrate ist ein sogenannter Basiseffekt: Um den Konsum in der Coronakrise anzukurbeln, hatte der Bund die Umsatzsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze; Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teurer.

»Wir schätzen den Einfluss allein der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung auf knapp einen Prozentpunkt der gemessenen Inflationsrate«, sagte Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Teuerung dürfte in den nächsten Monaten weiter anziehen. Viele Ökonomen halten das bislang weitgehend für ein vorübergehendes Phänomen. So sagte Dullien, es sei damit zu rechnen, dass die Inflation zwar bis zum Jahresende über vier Prozent steigen könnte, schon im Januar 2022 aber wieder deutlich nachgeben werde.

che/dpa-AFX
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