Hoher Ölpreis Opec erwägt höhere Förderquoten

Angesichts neuer Rekordpreise für Rohöl sieht sich die Opec zum Handeln gezwungen. Morgen will die Organisation darüber entscheiden, ob sie den Ölhahn weiter aufdreht. Experten erwarten ab Herbst 500.000 zusätzliche Barrel pro Tag. Doch sie sehen darin nicht mehr als eine symbolische Geste.


Opec-Treffen in Isfahan: Nicht mehr als eine symbolische Geste
AP

Opec-Treffen in Isfahan: Nicht mehr als eine symbolische Geste

Wien/Kuwait-Stadt - "Ab kommendem Monat wird es mehr Öl aus Saudi-Arabien, Kuwait und den Emiraten geben", sagte Opec-Präsident Achmed el Fahd el Sabah heute in Wien. Erwogen werde eine Erhöhung um 500.000 Barrel pro Tag. Unterstützt wird der Plan von Saudi-Arabien und einigen anderen Staaten. Die OPEC steht unter Druck, eine Erhöhung zu beschließen, um den Ölpreis zu senken.

In Wien war aus OPEC-Kreisen zu erfahren, dass die elf OPEC-Länder zurzeit insgesamt noch freie Förderkapazitäten von etwa drei Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung haben. Diese könnten bis Ende 2006 auf etwa vier Millionen ausgebaut werden.

Allerdings fördern die zwölf OPEC-Staaten schon jetzt täglich weit mehr als die offizielle Zielmarke von 27,5 Millionen Barrel. Ohne den Irak, der nicht am Quotensystem teilnimmt, sind es nach Marktschätzungen zur Zeit 28,5 Millionen Barrel, mit den irakischen Lieferungen sogar über 30 Millionen Barrel.

Entsprechend hat das Vorhaben bereits die ersten Kritiker auf den Plan gerufen. Irans Ölminister Bijan Zanganeh geht nicht davon aus, dass eine Steigerung der Förderquote den Preisdruck dämpfen wird. "Die Gründe, die zu hohen Preisen führen, liegen woanders", sagte Zanganeh. Diese Marktbedingungen werde auch ein größeres Angebot nicht ändern.

Auch der Saudi-Arabische Ölminister Ali el Naimi sieht das Problem nicht bei den Förderländern. "Es gibt mit Sicherheit keine Engpässe beim Angebot", sagte er heute in Wien. Die Lagerbestände stiegen sogar. Das Nadelöhr liege vielmehr in den knappen Kapazitäten der Raffinerien. Deren Aufstockung sei Sache der Industrieländer.

Öl-Experten wie der Analyst Victor Shum von der Texanischen Agentur Purvin & Gertz pflichtet den Ölministern bei. "Ein Aufstocken der Förderkapazität ist allenfalls eine symbolische Geste", sagte er. Die Organisation pumpe bereits heute mehr Öl aus dem Boden, als dann offiziell als Höchstgrenze festgelegt sei. "Das tatsächliche Angebot wird davon kaum beeinflusst, also wird sich auch der Preisdruck nicht vermindern."

In Deutschland ist Benzin so teuer wie noch nie. Wie der ADAC heute in München mitteilte, sind die Preise für Benzin und Diesel an Markentankstellen im Juni um fünf Cent gestiegen und haben damit einen neuen Höchstwert erreicht. Am schlimmsten trifft es die Autofahrer in Rostock und Freiburg: Dort kostet der Liter Super laut ADAC 1,25 Euro. Für Diesel müssen die Breisgauer den Spitzenpreis von 1,10 Euro zahlen. In Dortmund dagegen kostet Super im Durchschnitt 1,20 Euro und Diesel 1,06 Euro.



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