Holding-Boom Deutsche lieben Schweizer Steueroasen

In der Schweiz boomen steuergünstige Holdings: Im vergangenen Jahr nahmen sie um fast 25 Prozent zu. Dabei ist jede zehnte Gründung auf eine deutsche Firma zurückzuführen. Insbesondere die Innerschweizer Kantone Zug und Schwyz haben es den Deutschen angetan.


Hamburg. Die Schweiz ist stolz auf ihren Steuerwettbewerb. Er soll der härteste der Welt sein, die Steuersätze hingegen die mildesten. Im Unterschied zur EU erhebt die Schweiz auf mehreren Ebenen Steuern: Jeder Kanton, jede Stadt, ja jedes Dorf hat eigene Steuersätze. In der Zentralschweiz sind die bereits im internationalen Vergleich tiefen Schweizer Steuern verschwindend gering. Auf einer Fläche, die nur fünfmal so groß ist wie Berlin, buhlen vier Kantone um die Gunst ausländischer Konzerne: Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden.

Zug: Bei Deutschen steht der steuergünstige Kanton ganz oben Wunschliste.
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Zug: Bei Deutschen steht der steuergünstige Kanton ganz oben Wunschliste.

Dabei nutzen allen voran die Deutschen die Vorteile der Innerschweizer Steueroasen. Gemäß einer heute veröffentlichten Studie der Wirtschaftsauskunfte Dun & Bradstreet (D&B) war jede zehnte Gründer ein Deutscher. Im Vergleich zu 2006 nahm die Zahl der Holdings um 2113 zu - ein Plus von 24,7 Prozent.

Der Hochrechnung von D&B zufolge gab es Ende Februar in der Schweiz über 20.000 Holdingfirmen, die mehr als 500 Milliarden Franken verwalten. 55 Prozent davon seien ausländische Vermögenswerte.

Die Top-Adresse für deutsche Steueroptimierer heißt Zug. Der Kanton ist bestens gelegen zwischen dem Wirtschaftszentrum Zürich und der Kulturmetropole Luzern. Im gesamten Kanton gibt es mehr Firmen als die Stadt Zug Einwohner hat. Von allen neu gegründeten Holdings entfällt laut D&B jede vierte auf Zug, jede zwanzigste Gründung einer deutschen Holdinggesellschaft findet sich im benachbarten Kanton Schwyz.

Besonders beliebt ist die gemischte Domizilgesellschaft. Dank diesem Steuerkonstrukt können ausländische Firmen von den Tiefststeuersätzen für Briefkastenfirmen profitieren, wenn der Anteil des Auslandsgeschäfts mindestens 80 Prozent beträgt. Das Gros der im Ausland erzielten Erträge bleibt weitgehend steuerfrei. Die unterschiedliche Besteuerung von Gewinnen, die In- und Ausland erwirtschaft wurden, wird von Deutschland seit geraumer Zeit angeprangert.

mso/dpa



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