Holzmann-Pleite Schröder greift ein

Der Kanzler wirft sein politisches Gewicht für Holzmann in die Waagschale. Gerhard Schröder hat angekündigt, am Mittwoch höchstpersönlich mit den Banken zu verhandeln, um den überschuldeten Baukonzern vor dem Konkurs zu bewahren.


Rettungsmannschaft: Holzmann-Betriebsrat Jürgen Mahneke und Gerhard Schröder
REUTERS

Rettungsmannschaft: Holzmann-Betriebsrat Jürgen Mahneke und Gerhard Schröder

Berlin - Er wolle einen letzten Versuch unternehmen, ein sanierungsfähiges Unternehmen zu retten, sagte er am Dienstagmittag nach einem einstündigen Gespräch mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Jürgen Mahneke und IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel in Berlin. Der Bund werde "eine Menge Phantasie entwickeln", um zur Rettung beizutragen, sagte Schröder, ohne Einzelheiten zu nennen.

Ziel des Gespräches solle es sein, dass Holzmann nicht zerschlagen werde. Dabei sei allen klar, dass das Unternehmen nur eine Chance habe, wenn die Banken ihren Beitrag dazu leisteten.

Schröder betonte, er gehe davon aus, dass die Banken seiner Einladung Folge leisteten. Er könne sich nicht vorstellen, dass es keine Gesprächsbereitschaft gebe. Man wolle gemeinsam den Versuch machen, die noch bestehende nicht ungeheuer große Finanzierungslücke zu schließen. Nach Angaben des Holzmann-Vorstands handele es sich um eine Finanzierungslücke von 230 bis 250 Millionen Mark.

Dies sei keine Summe, die nicht aufzubringen wäre, erklärte Schröder. Es sei aber zu früh, um über eine Hilfestellung des Bundes zu reden. Zunächst seien die Banken am Zug. Er wolle persönlich den Wunsch der Bundesregierung deutlich machen, dass der Konzern zusammen bleibe und nicht zerschlagen werde.

Die Zahl der betroffenen Firmen und Arbeitnehmer zwinge die Banken dazu, über die betriebswirtschaftliche Verantwortung hinaus auch die gesamtwirtschaftliche und die gesellschaftliche Verantwortung zu sehen, sagte Schröder weiter. Die Arbeitnehmer hätten sich schon bereit erklärt, eine ungeheure Anstrengung zu unternehmen, um ihre Arbeitsplätze zu retten.

Gesamtbetriebsratschef Mahneke begrüßte das Angebot des Kanzlers und bekräftigte die Bereitschaft der Belegschaft, Kosten von 225 Millionen Mark zu tragen. Das Gesprächsangebot des Kanzlers zur Einleitung von Sanierungsschritten sei der richtige Weg. Mahneke sagte: "Mit dem Ergebnis des Gespräches fahre ich zufrieden nach Hause."



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