Horrorszenario Opec-Boss spekuliert über Ölpreis von 400 Dollar

Erdöl soll noch viel teurer werden als bisher: Laut Opec wird der Preis in diesem Sommer auf bis zu 170 Dollar hochschnellen - derzeit kostet ein Fass knapp 140 Dollar. Schlimmstenfalls hält Kartell-Chef Chelil aber auch "200, 300 oder 400 Dollar" für möglich.


Paris - In der Energiebranche überschlagen sich die düsteren Prognosen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) geht davon aus, dass der Ölpreis noch in diesem Sommer auf bis zu 170 Dollar pro Fass hochschnellen wird. "Ich rechne mit Preisen von 150 bis 170 Dollar im Laufe des Sommers", sagte der Opec-Vorsitzende Tschakib Chelil dem französischen Sender France 24.

Öl-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt: Die Rohstoffmärkte reagieren verunsichert
REUTERS

Öl-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt: Die Rohstoffmärkte reagieren verunsichert

Dabei liegt dieser Annahme ein gemäßigtes Szenario zugrunde. Verschärfe sich dagegen der Konflikt um das iranische Atomprogramm, werde dies die Ölpreise weit stärker hochtreiben, sagte Chelil. Schlimmstenfalls - wenn etwa die Ölproduktion im Opec-Mitgliedstaat Iran zum Erliegen komme - könnte der Ölpreis sogar "auf 200, 300 oder 400 Dollar" steigen.

Kurzfristig hänge alles von der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung ab, sagte Chelil. "Dann, glaube ich, wird der Ölpreis steigen." Experten erwarten, dass die EZB ihre Zinsen demnächst anhebt, um der Inflation einen Riegel vorzuschieben. Dies könnte den Euro gegenüber dem Dollar weiter stärken. Öl wird in der US-Währung bezahlt, weshalb ein schwächerer Dollar die Ölnachfrage aus Nicht-Dollar-Ländern ankurbeln könnte. Die EZB will am kommenden Donnerstag über ihre Zinsen entscheiden.

An den Rohstoffmärkten wurden Chelils Äußerungen mit Sorge aufgenommen. Im frühen US-Handel schoss der Ölpreis in die Höhe. Ein Barrel der Sorte WTI kostete am frühen Nachmittag 138 Dollar und war damit 2,6 Prozent teurer als am Vorabend. Die Nordseesorte Brent lag mit 137,65 Dollar gut 2,5 Prozent im Plus. Auf kurze Sicht dürfte der Ölpreis auf hohem Niveau weiter volatil bleiben, schrieb Eugen Weinberg, Rohstoffexperte von der Commerzbank.

Auch bei Heizöl bleibt die Lage angespannt. Trotz eines leichten Preisrückgangs in den vergangenen Tagen rechnen Händler bis Ende des Jahres mit einem weiter hohen Niveau.

Gründe seien das relativ niedrige Angebot an Öl und der traditionell hohe Spritverbrauch in den Sommermonaten. Außerdem beginne im Herbst die Heizsaison, sagte der Zweite Vorsitzende des Verbandes für Energiehandel (VEH) Südwest-Mitte, Bernd Schilly. Derzeit koste der Liter Super-Heizöl etwa 97 Cent.

wal/AFP/Reuters/dpa

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