Horrorwoche an der Börse Finanzmärkte zittern vor Bank-Bilanzen

Furcht treibt die Finanzmärkte um: Die Citigroup muss dem Sender CNBC zufolge 24 Milliarden Dollar abschreiben und denkt über den Abbau von 20.000 Jobs nach. Dem UBS-Vorstand sollen alle Boni gestrichen werden. Auch die Bilanz von Merrill Lynch droht katastrophal auszufallen.


New York – Es wird eine Woche voller Schreckensnachrichten – davon gehen zumindest die Börsianer aus. Die größte US-Bank, die Citigroup Chart zeigen, wird dem Sender CNBC zufolge morgen bekanntgeben, dass sie infolge der Finanzmarktkrise 24 Milliarden Dollar abschreiben muss. Außerdem stehe zur Debatte, 20.000 der rund 330.000 Jobs zu streichen. Experten gehen zudem davon aus, dass die Dividende gekürzt oder ganz gestrichen wird.

Citigroup-Tower in New York: Auf der Suche nach neuem Geld
AFP

Citigroup-Tower in New York: Auf der Suche nach neuem Geld

Der "Financial Times" zufolge steht die Citigroup zudem kurz vor einer neuen Finanzspritze von bis zu 14 Milliarden Dollar. Rund neun Milliarden davon kämen wohl von chinesischen Investoren. Ein Staatsfonds aus Kuweit solle eine Milliarde Dollar beisteuern, zwei bis vier Milliarden sollten durch die Ausgabe von Aktien erlöst werden. Die Bank hatte bereits im November eingewilligt, bis zu 4,9 Prozent eigener Aktien an Abu Dhabi für 7,5 Milliarden Dollar zu verkaufen. Damals mussten bereits Verluste von elf Milliarden Dollar infolge der internationalen Kreditkrise bekanntgegeben werden.

Die ebenfalls mit erheblichen Problemen kämpfende US-Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen will sich der Zeitung zufolge weitere vier Milliarden Dollar frisches Geld besorgen. Dabei werde die Kuwait Investment Authority wohl ein wesentlicher Investor sein, berichtete das Blatt unter Berufung auf mit der Sache vertraute Kreise. Andere Investoren könnten aus Europa kommen. Merrill Lynch hatte sich bereits im Dezember bis zu 7,5 Milliarden Dollar gesichert. Dazu stiegen ein Staatsfonds aus Singapur und eine Fondsgesellschaft ein. Die Investmentbank wird am Donnerstag die Bilanz präsentieren. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass Merrill Lynch voraussichtlich 15 Milliarden Dollar abschreiben muss – das wäre doppelt so viel wie bisher befürchtet.

Die zu erwartenden Horrornachrichten zeigen: Offensichtlich ist die Kreditkrise noch lange nicht zu Ende. Einige Experten gehen davon aus, dass eine Erholung noch Monate auf sich warten lassen wird. Bereits im dritten Quartal hatten mehrere Kreditinstitute Milliardenbeträge abgeschrieben. Entscheidend ist nun, wie viele böse Überraschungen noch in den Büchern der Banken schlummern.

Auch die Schweizer UBS Chart zeigen wird der "SonntagZeitung" zufolge nochmals fünf bis acht Milliarden Dollar abschreiben müssen. US-Investoren und Hedgefonds drängten auf die Aufspaltung des Geldinstituts, heißt es weiter. Vor allem Harris Associates wolle die Bank in die Bereiche Investmentbanking und Vermögensverwaltung aufteilen und so den Wert um 30 Prozent erhöhen, heißt es ohne Angabe von Quellen. Die Bank dementierte: "Das ist derzeit kein Thema."

Dem achtköpfigen Topmanagement der UBS AG um Marcel Rohner wird dem Blatt zufolge wegen des Debakels im US-Immobilienmarkt außerdem der Bonus gestrichen. Die Zuschläge des UBS-Topmanagements bemessen sich zu 100 Prozent am Ergebnis des Konzerns, wie das Blatt in Erfahrung gebracht haben will. Da die UBS für das Vorjahr wegen der Milliarden-Abschreiber vermutlich kaum einen Gewinn ausweisen werde - womöglich macht sie sogar den ersten Verlust ihrer Geschichte -, gebe es nun eine Nullrunde.

Angst vor US-Rezession

Zu den Unwägbarkeiten der Kreditkrise kommt an den Börsen noch die Sorge vor einer US-Rezession. Am Freitag hatten die US-Börsen deshalb deutlich nachgegeben: Der Dow Jones Chart zeigen schloss 1,9 Prozent tiefer bei 12.606 Punkten, der breiter gefasste S&P-500 gab 1,4 Prozent auf 1401 und der Technologie-Index Nasdaq Chart zeigen zwei Prozent auf 2439 Stellen ab. Im Wochenvergleich verloren der Dow-Jones 1,5, der S&P-500 0,7 und die Nasdaq 2,6 Prozent.

Besonders die Daten, die Aufschluss auf die Inflation geben, werden deshalb diese Woche das Augenmerk der Marktteilnehmer finden. So wird am Mittwoch der Index der Verbraucherpreise vorgelegt. Sollten die Zahlen gut ausfallen, dürfte dies die Erwartungen beflügeln, dass die US-Notenbank Fed bei der Sitzung Ende Januar den Leitzins um 50 und nicht nur um 25 Basispunkte senke, sagte John Praveen, Chefstratege bei Prudential International Investments Advisers.

Aufschluss über die Kauflaune der Amerikaner erwarten Börsianer aus den Zahlen zum Einzelhandel, die am Donnerstag vorgelegt werden. Es wird damit gerechnet, dass die Geschäfte der Händler im Dezember auf dem Niveau vom November waren, als sie um 1,2 Prozent zulegten. Die großen Ketten hatten zuletzt aber berichtet, dass das Geschäft in den Wochen vor Weihnachten enttäuschend schwach ausgefallen war. Auch die Zahlen zu den Baubeginnen im Dezember, die ebenfalls am Donnerstag vorgelegt werden, finden wohl das Interesse der Investoren. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften bei 1,14 Millionen Häusern die Arbeiten begonnen haben, nach 1,19 Millionen im November.

Neben den Kreditinstituten legen weitere Schwergewichte ihre Bilanzen vor: Die Intel-Zahlen Chart zeigen werden am morgigen Dienstag erwartet, IBM Chart zeigen folgt am Donnerstag, General Electric Chart zeigen am Freitag. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne bei den Unternehmen im S&P 500 Chart zeigen im vierten Quartal um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. "Wenn die Bilanzsaison richtig loslegt, werden die Leute sehen, dass die Dinge schlimmer sind als sie dachten", sagte Jeff Buetow von XTF Global Asset Management. Weil seiner Ansicht nach die Aktienkurse im nächsten halben Jahr nicht steigen werden, rät er Investoren, Anleihen zu kaufen.

ase/dpa-AFX/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.