HP-Compaq-Fusion Kampf der Consultants

Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina hält den Zusammenschluss mit Compaq für eine prima Idee, die Eigentümerfamilien Hewlett und Packard sind dagegen. Die Streithähne haben jetzt von Unternehmensberatern zwei Studien anfertigen lassen, die auf Grundlage derselben Zahlen zu entgegengesetzten Ergebnissen gelangen.


HP-Chefin Carly Fiorina: Argumente für die Fusion
AP

HP-Chefin Carly Fiorina: Argumente für die Fusion

New York - Die beiden Studien, welche die Auswirkungen der geplanten 24-Milliarden-Dollar-Fusion beschreiben, sollen noch unentschlossene Aktionäre von Sinn oder Unsinn des Unterfangens überzeugen.

Die von Hewlett-Packards (HP) Chart zeigen Management in Auftrag gegebene Studie wurde von der Investmentbank Goldman-Sachs in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen McKinsey & Company erstellt. Die Goldman-Studie kommt - oh Wunder - zu dem Ergebnis, dass die Fusion ein feine Sache wäre. Das neue Unternehmen, so die Berater, wäre schlanker, besser aufgestellt und attraktiver für den Kunden.

Die zweite Studie wurde vom William R. Hewlett Revocable Trust bei der Consultingfirma Friedman Fleischer & Lowe and Parthenon in Auftrag gegeben. Auf Grundlage der gleichen Daten kommt die Friedman Fleischer zu dem Ergebnis, dass HP-Compaq geringere Margen erwirtschaften werde und höhere Geschäftsrisiken aufweise. Der Hewlett-Trust, der 85 Millionen HP-Aktien hält, will den Deal ablehnen. Auch die William und Flora Hewlett Foundation, die weitere 30 Millionen Anteile besitzt, plant, gegen den Merger zu stimmen.

Weitere Studien werden folgen. Auch die David and Lucille Packard Foundation, der etwa zehn Prozent der HP-Anteile gehören, hat bereits Berater engagiert: Booz, Allen & Hamilton sollen die Fusion unter die Lupe nehmen. Des weiteren erstellt die Aktionärsvertretung Institutional Shareholders Services (ISS) eine Studie, die als Grundlage für etwa 700 Fondsmanager gilt, welche ISS vertritt. Das berichtet das "Wall Street Journal Europe".

Ob die Fusion von HP und Compaq Sinn macht, hängt vor allem davon ab, in welcher Höhe sich nach dem Zusammengehen der beiden Computerhersteller Kosten einsparen lassen. Weitere wichtige Faktoren sind das Umsatzwachstum sowie die Risiken der Integration beider Unternehmen.

HP geht davon aus, dass die Umsatzrendite nach der Fusion von derzeit 4,1 Prozent auf acht bis zehn Prozent steigen wird. Die Friedman-Fleischer-Studie spricht hingegen von lediglich 2,6 Prozent Umsatzrendite.

Compaq-PC-Produktion: Zwölf Quartale in Folge Verluste
DPA

Compaq-PC-Produktion: Zwölf Quartale in Folge Verluste

Ähnlich unterschiedlich sind die Einschätzungen bei den einzelnen Geschäftsfeldern. Der Bereich Dienstleistungen wird von HPs Beratern als eine beständige Einnahmequelle mit kaum schwankenden Umsätzen eingestuft. Die für den Hewlett Trust erstellte Studie urteilt hingegen, der Bereich habe geringe Wachstumschancen und sei unattraktiv.

Dito das PC-Geschäft: Die Pro-Fusions-Fraktion ist der Ansicht, dass die neue, größere PC-Sparte sich betriebswirtschaftlich besser rechne, da sich Kosten einsparen ließen. Zudem ergänzten sich die beiden Unternehmen, weil HP stark bei Privatkunden sei, während Compaq viele Geschäftskunden besitze.

Die Fusionskritiker merken hingegen an, dass Compaqs PC-Geschäft nicht mal bei einem niedrigen Kaufpreis attraktiv sei; in den vergangenen zwölf Quartalen hat das Geschäftsfeld kontinuierlich Verluste produziert, der Marktanteil ist ebenfalls gefallen.

Voraussichtlich werden beide Seiten noch reichlich Zeit haben, sich gegenseitig mit weiteren Studien zu bombardieren: Bisher hat HP noch nicht einmal einen Termin für die Entscheidung über die Fusion festgesetzt.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.