Hundtsche Reformagenda Zwei Azubis zum Preis von einem

Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, macht mal wieder mit innovativen Vorschlägen von sich reden. Damit mehr Lehrstellen entstehen, soll es künftig möglich sein, dass sich zwei Azubis einen Lohn teilen.

Osnabrück - Der Arbeitgeberpräsident gibt sich reformoffen und kompromissbereit. Den Gewerkschaften hat er auch nach dem Scheitern des Bündnisses für Arbeit eine gemeinsame Offensive angeboten. Sie soll zu betrieblichen "Bündnissen für Ausbildung" führen - und dazu, dass alle ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Bewerber tatsächlich eine Lehrstellen finden.

In einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" schlug Hundt daher vor, Abweichungen von Tarifverträgen zuzulassen. Ein Kernpunkt: Es solle möglich sein, dass sich zwei Lehrlinge eine Ausbildungsvergütung teilen. Voraussetzung sei, dass der Arbeitgeber bereit sei, unter diesen Bedingungen zwei Azubis statt nur einen einzustellen. Die Frage, was die Azubis von dieser nicht ganz undramatischen Lohnkürzung halten würden, beleuchtet Hundt nicht.

Hundt verlangte zudem, die Betriebspartner müssten tarifvertraglich vereinbarte Verpflichtungen zur Übernahme von Azubis aussetzen können. Bedingung solle aber sein, dass der Arbeitgeber über Bedarf ausbilde. "Ich fordere die IG Metall und alle anderen Gewerkschaften auf, solche Regelungen zu ermöglichen, um die sich abzeichnende Lehrstellenmisere zu verhindern oder abzuschwächen."

"Keine Entwarnung"

Zumindest in der Diagnose des Problems hat Hundt Recht: Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt bleibt dramatisch. Bis zum Ende des Ausbildungsjahres im September könnten bundesweit bis zu 70.000 Ausbildungsplätze fehlen, warnte der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, am Donnerstag in Nürnberg. "Ich kann deshalb beim Thema Ausbildungsplatz keine Entwarnung geben".

Bis Ende Mai seien den Arbeitsämtern mit 433.000 Ausbildungsplätzen elf Prozent weniger gemeldet worden als bis Mai 2002. Diesem Angebot hätten rund 600.000 Lehrstellenbewerber gegenübergestanden - und damit etwa so viele wie im Vorjahr. Die Lücke zwischen unbesetzten Lehrstellen und noch nicht vermittelten Bewerbern liege damit derzeit bei rund 170.000.

Vor allem in den neuen Bundesländern sei die Situation äußerst angespannt. Ende Mai seien dort 27.000 angebotene Ausbildungsplätze auf 111.800 Bewerber gekommen. Aber auch im Westen sei das Lehrstellenangebot im Vergleich zu Mai 2002 um etwa 20 Prozent geschrumpft, berichtete Gerster. Die Zahl der Bewerber sei dagegen um acht Prozent gestiegen. Die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe lehnte Gerster aber als "nicht zielführend" ab.

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